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RASSISTISCHE PÖBELEIEN IM HSV-STADION

Wir hatten Angst um unser Leben

Am vergangenen Freitag sahen 57000 Fans in der HSH Nordbank Arena das 1:0 des HSV gegen den FC Bayern und feierten ein Fußball-Fest. Doch für den Hamburger Campino Milligan (35) und seine Ivonne (32) wurde der Stadionbesuch zur Hölle. Der dunkelhäutige Ex-Football-Star der Hamburg Blue Devils klagt an: "Ich wurde massiv rassistisch beleidigt. Meine Freundin bespuckt und bedroht. Uns wurde sogar gesagt, dass wir die erste Halbzeit nicht überleben würden. Wir sind froh, dass wir da heil rausgekommen sind."



Seit 1996 lebt der gebürtige US-Amerikaner Milligan in Hamburg. Bis 2003 spielte er Football für die Blue Devils, mittlerweile ist er Fitness-Trainer und Coach der St. Pauli Buccaneers. Zum "Einjährigen" schenkte er seiner Freundin, die genau wie er Bayern-Fan ist, Karten für das Spiel. "Dass man im Block 28C der Nordtribüne nicht mit Schals des Gegners darf, wussten wir nicht", sagt Milligan. "Und das hat uns auch kein Ordner im Stadion gesagt."



Mit dem Moment, in dem sich das Paar auf seine Plätze gesetzt hatte, seien die Pöbeleien durch eine Gruppe von fünf Zuschauern mit 1887-Mützen (Gründungsjahr des HSV) losgegangen. "Ich wurde als ,Nigger-Schlampe` beschimpft", sagt Ivonne. Ihr Freund erzählt: "Sie hat geweint und am ganzen Körper gezittert. Es gab SS-Rufe und weitere Nazi-Parolen. Ich wurde auch am Hals gepackt. Kurz vor dem Anpfiff konnten wir der Lage zum Glück entkommen."



Ein herbeigerufener Ordner habe nicht helfen wollen - ganz im Gegenteil. Milligan: "Er schrie: ,Verpiss dich hier, du Sau, geh zurück in den Busch.`" Noch immer können er und seine Freundin die Geschehnisse nicht begreifen. "Wir gehen nie wieder in Hamburg ins Stadion", sagt Ivonne. Milligan, der 2008 für seine Arbeit mit jungen Football-Spielern mit dem "Budnianer Hilfe-Preis" ausgezeichnet wurde: "Der HSV hat so viele dunkelhäutige Spieler. Die können doch unmöglich solche ,Fans` haben wollen." Er werde Strafanzeige stellen und hoffe auf eine Entschuldigung durch die Täter. "Das wäre das Mindeste."



Der HSV-Fanbeauftragte Mike Lorenz (25) zeigte sich bestürzt: "Wir haben mit Campino Milligan telefoniert und uns tausend Mal entschuldigt. Seit Jahren hatten wir keine rassistischen Zwischenfälle mehr. Es macht uns sehr betroffen. Wir werden jetzt genau prüfen, wer beteiligt gewesen sein könnte."

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Datum:  3.2.2009
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