Er brauchte ganze drei Tage, um sein eigenes Denkmal zum Einsturz zu bringen. Rafael van der Vaart. Vom "kleinen Engel", dem Idol und Liebling aller Hamburger, zum "Teufel" und Buhmann der Stadt. Und während sich seine HSV-Kollegen nach der heutigen Ankunft in Fuhlsbüttel diebisch auf ihre eigenen vier Wände freuen werden, dürfte sich van der Vaarts Miene kaum erhellen. Ob nun Hamburg, Budapest oder irgendein anderer Ort - der 24-Jährige will nur noch weg. Weg von der Raute des HSV. Und so schnell wie möglich nach Valencia.
Um sein Ziel zu erreichen, ist dem "Maestro" scheinbar jedes Mittel recht. Auch nach der definitiven und unmissverständlichen Absage der Vereinsbosse an die Spanier, wird van der Vaart nicht müde, zu betonen, dass er an einen schnellen Wechsel glaubt. Immer im Schlepptau: Sören Lerby, dänischer Berater des Nationalspielers. "Ich bin optimistisch bezüglich des Wechsels", ließ er die spanische Zeitung "Marca" wissen, "auch wenn mir gesagt wurde, dass es schwer wird."
Lerbys bockiger Klient, der sich seines Lebenstraums beraubt sieht, macht derweil auch auf andere Weise Druck. Eine rätselhafte Rückenverletzung ("Ich habe mich beim Hochheben meines Babys verhoben") machte den Einsatz im gestrigen Hinspiel der UEFA-Cup-Quali bei Honvéd Budapest (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht beendet) unmöglich. Vorbei die Zeiten, in denen van der Vaart auf die Zähne biss. Der Verdacht, dass er seine Verletzung vortäuschte, steht im Raum.
Angesichts der geäußerten Strategie des Duos Lerby/van der Vaart würde dieser weitere, ungeheuerliche Schritt nicht überraschen. Längst hat der Regisseur allen Respekt vor Verein und Mannschaft verloren. Billigend nahm er mit seinen Äußerungen vor der Partie bei Honvéd eine Störung der Vorbereitung in Kauf. Und dennoch: Der HSV bleibt seiner Linie treu, will van der Vaart halten. Es wäre der einzig logische Schritt. Ließe sich der Verein erpressen und würde letztlich einknicken, sind ähnliche Verhaltensmuster anderer Profis für die Zukunft programmiert.
Dass van der Vaart nicht länger die Kapitänsbinde tragen darf, liegt auf der Hand. Wann der Verein sie ihm entziehen wird, ist offen - aber in jedem Fall notwendig. Ansonsten würde sich der HSV, der bislang in dieser Angelegenheit eine lobenswert geschlossenen Eindruck vermittelt, doch noch angreifbar machen.