Beginnt jetzt das große Sterben? Die Zahl der verölten und von einem qualvollen Tod bedrohten Seevögel an der schleswig- holsteinischen Nordseeküste ist nach neuesten Schätzungen des Deutschen Tierschutzbundes offenbar weit höher als bisher vermutet. Gezählt wurden mehr als 1000, betroffen sind sehr wahrscheinlich aber bis zu 10000 Tiere, erklärte gestern der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Wolfgang Apel. Unterdessen suchen die Behörden weiter fieberhaft nach dem Verursacher der Verschmutzung. Bisher gibt indes noch keine heiße Spur. "Es sind aktuell auch keine weiteren Ölfunde zu vermelden", so der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees.
Am vergangenen Sonntag waren zunächst auf den Inseln Föhr und Amrum bis zu tellergroße Ölklumpen angeschwemmt worden. Bis zur Wochenmitte wurden rund 1000 verölte Seevögel gezählt. Tierschützer sammelten allein gestern 80 weitere verseuchte Vögel ein. Diese müssen jetzt sogar zur Behandlung in die Niederlande gebracht werden, weil die Kapazitäten in Deutschland erschöpft sind.
Allein in der Seevogelrettungsstation des Tierschutzbundes in Kappeln werden derzeit rund 70 Vögel aufgepäppelt - zumeist sind es Trauerenten. Auf Föhr kümmern sich Tierschützer um mehr als 100 Exemplare. "Jeder Vogel wird fünf Mal am Tag mit einer Magensonde gefüttert", so Torsten Schmidt, der wissenschaftliche Leiter der Station in Kappeln. Die Tiere müssen zunächst wieder halbwegs zu Kräften kommen, bevor sie vom Öl gereinigt werden können. Apel: "Es gibt noch keine Entwarnung. Insbesondere auf Amrum und Föhr ist die Situation äußerst besorgniserregend. Wahrscheinlich werden bis zu 10000 Vögel diesem Drama zum Opfer fallen. Das ist eine bittere Erkenntnis aus vergleichbaren Ölunfällen."
Die Politiker forderte er auf, endlich drastisch durchzugreifen und zu handeln. Apel: "Dazu gehört auch, die Verantwortlichen für diese Ölkatastrophe zu finden und mit voller Härte zur Rechenschaft zu ziehen."
Aus dem havarierten Frachter Pallas flossen 1999 hunderte Tönnen Öl in die Nordsee. Tierschutz-Chef Apel: "Diesmal haben wir eine Katastrophe ähnlichen Ausmaßes."