Hamburg - Der frühere Bundestagsabgeordnete und Kriminalbeamte Thomas Wüppesahl muss wegen der Planung eines Raubmordes und versuchten Erwerbs einer Schusswaffe für viereinhalb Jahre hinter Gitter. Das entschied das Landegericht Hamburg am Donnerstag. Das Gericht war überzeugt, dass Wüppesahl aus finanzieller Not Ende vergangenen Jahres einen Überfall auf einen Geldtransport in Berlin vorbereitet hatte. Dabei wollte er einen Geldboten per Genickschuss töten und ihm dann mit einem Fleischerbeil den Arm abhacken, um in den Besitz des Geldkoffers zu kommen."Die finanzielle Situation des Angeklagten war prekär, um nicht zu sagen schlecht", sagte der Vorsitzende Richter Gerhard Schaberg in seiner Urteilsbegründung. Wüppesahl, der sich seit Jahren als Mobbing-Opfer der Justiz sieht, hatte die Tat dagegen als "undurchführbares Gedankenspiel" bezeichnet. Er habe den Raubmord nur zum Schein geplant, um damit einen ehemaligen Weggefährten als gegen ihn eingesetzten V-Mann der Polizei zu entlarven."Wir haben in keiner Weise an eine Komplott-Theorie glauben können", sagte Richter Schaberg. Das Gericht blieb mit seinem Urteil knapp unter der Forderung des Staatsanwaltes, der fünf Jahre Haft beantragt hatte. Wüppesahls Verteidiger Peter Wulf hatte einen Freispruch für den 49-Jährigen gefordert. "Die Tat war ein von ihm konstruiertes Scheingebilde, geschaffen in der irrwitzigen Annahme, damit einen V-Mann entlarven zu können", sagte er in seinem Plädoyer. Es liege in der Persönlichkeit seines Mandanten, sich Feindbilder zu schaffen. Nach dem Urteil gab Wulf keine Stellungnahme ab.Wüppesahl, Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten und selbst ernannter "Querdenker" in der Hamburger Polizei, warf der Staatsanwaltschaft "Falschspielerei" vor. Den Prozess sah er als Versuch der Behörden, ihn endgültig aus dem Polizeidienst zu entfernen. Wüppesahl hatte von 1987 bis 1991 zunächst für die Grünen und später als fraktionsloser Abgeordneter im Bundestag gesessen.Wüppesahl hatte dem mutmaßlichen V-Mann, einem langjährigen Freund und Ex-Polizisten, einen gemeinsamen Raubmord vorgeschlagen. Der potenzielle Komplize informierte daraufhin die Polizei und half bei den Ermittlungen und bei der Festnahme Wüppesahls Ende Oktober vergangenen Jahres.
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