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Der Polizist und die Sex-Vorwürfe

Prozess gegen den Polizisten Kamiar M. (29) vor dem Blankeneser Amtsgericht. Der Vorwurf: Sexuelle Nötigung. Doch eigentlich geht es um die Frage, ob der Ordnungshüter öfter gegenüber Frauen zu Gewalt neigt und nicht würdig ist, die Polizeiuniform zu tragen? Oder ob der Mann Opfer rachsüchtiger Ex-Partnerinnen und eines leitenden Polizeidirektors ist?



Beim aktuellen Prozess geht es darum, ob Kamiar M. eine 30-jährige Arzthelferin im September 2007 in seinem Rissener Schlafzimmer am Hals gepackt, geküsst und ihr an die Brüste gefasst hat. Sie will sich damals losgerissen haben, trug leichte Verletzungen an Bein und Armen davon. Die Frau, die mit dem Angeklagten seit Jahren immer mal wieder Intimbeziehungen hatte, wurde gestern von der Richterin unter Ausschuss der Öffentlichkeit intensiv befragt. Das Verfahren wird heute fortgesetzt.



Rückblende: Am 24. Februar 2006 bekam der Polizist vor Gericht einen Freispruch erster Klasse. Eine Straßenfest-Bekanntschaft (34) hatte ihn nach dem Sex wegen Vergewaltigung angezeigt. Der Polizist landete damals für elf Tage in Untersuchungshaft. Doch die Richterin, vor der er landete, hatte Zweifel an den Worten des Opfers. Kamiar M.: "Ich hab immer an die Gerechtigkeit geglaubt."



Dieser Glaube geriet ins Wanken, als der Polizist nach dem erneuten Vorwurf eine Frau missbraucht zu haben, am 12. September 2007 zu seinem höchsten Vorgesetzten - dem leitenden Polizeidirektor Kuno Lehmann - ins Polizeipräsidium geladen wurde. Nach einem kurzen Gespräch, bei dem Lehmann seinem Mitarbeiter nahelegte doch den Dienst zu quittieren, stürzte sich das schwer bewaffnete Mobile Einsatzkommando auf den unbewaffneten Kollegen. Die schussbereiten Waffen deuteten direkt auf die Brust des Polizisten.



Kamiar M. kam schnell wieder frei. Warum die brutale Festnahme? Hatte Lehmann nicht verwunden, dass Kamiar M. sich nach dem Freispruch 2006 über seine Behandung durch die Polizeiführung bei Innensenator Udo Nagel beschwert hatte? Eine dubiose Anti-Mobbing-Truppe unter Ex-Kripomann Thomas Wüppesahl glaubt an diese Version. Über den Auftritt des Ex-Kollegen war der Angeklagte gestern überhaupt nicht glücklich. Wüppesahl ist immerhin wegen der Planung eines Geldtransport-Überfalls rechtskräftig verurteilt. Kamiar M. schwieg gestern im Verfahren auf Anraten seins Verteidigers Uwe Maeffert. Der sagte: "Meinem Mandanten ist nicht die angebrachte Fairness entgegengebracht worden."

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Datum:  30.5.2008
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