Die Story: Wolfgang Zenker (Edgar Selge) ist ein Mann vom alten Schlag. Als Handelsvertreter für matronenhafte Damenoberbekleidung war er über Jahrzehnte Platzhirsch im provinziellen Boutiquen-Revier. Zu Hause bei Gattin Erika (Franziska Walser) und Sohn Karsten (Florian Bartholomäi) lässt er gern mal den Autoritären raushängen. Aber die Zeiten ändern sich: Plötzlich schwimmen Wolfi die Felle weg. Sein Konkurrent Steven (Roman Knizka) schnappt ihm mit einer hippen Billig-Kollektion die Kunden weg. Die Bank weigert sich, seinen Dispo zu erhöhen. Erika hat ihren Macho-Mann satt und plant die Scheidung. Als Wolfi auch noch seinen Führerschein einbüßt, muss Sohnemann Karsten auf seine Urlaubsreise verzichten und für den ungeliebten Vater Chauffeur spielen. Was Wolfi nicht ahnt: Karsten ist schwul, und sein Lover heißt - Steven.
Die Schauspieler: Als pingeliger, selbstherrlicher, latent aggressiver Spießer kann sich Edgar Selge ("Polizeiruf", "Suck My Dick") mal so richtig austoben. Dabei macht er aus seiner Figur mehr als nur einen lächerlichen Idioten. Wenn sich im Verlauf der Geschichte Wolfis Existenz immer weiter auflöst, gibt Selge dem vermeintlichen Unsympathen auch Ernst und Tragik. Selges Kollegen schlagen sich ebenfalls gut. Allen voran Florian Bartholomäi ("Kombat Sechzehn"), der als heimlich schwuler Sohn jede Menge schüchternen Charme entfaltet.
Der Regisseur: Ingo Rasper (32) hat im vergangenen Jahr seinen Abschluss an der Filmakademie Baden-Württemberg gemacht. Mit seinem ersten Langfilm empfiehlt er sich als hoffnungsvolles Nachwuchstalent: Die Besetzung ist super, das Tempo stimmt, und trotz mancher humorigen Übertreibung rutscht die Story nie ins Klischeehafte ab. Reife Leistung!
Fazit: Amüsante Provinzkomödie mit ernsthaften Untertönen.