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PROSTITUTION

Jana gibt Behinderten Sex und Zärtlichkeiten

Wenn Rolf Ziegler* (71) alle 14 Tage ins Bordell geht, wartet seine Frau lieber im Auto. Abwechselnd hat der grauhaarige Mann bei seinem Ausflug nach Wandsbek in die Ahrensburger Straße 78 einen seiner beiden Söhne dabei. Sie sind seit der Geburt geistig behindert. Der Pensionär bringt Martin* (45) und Holger* (48) regelmäßig zu Prostituierten, der Arzt hat ihm dazu geraten. Seit einem Jahr sind sie nun Stammkunden im "Geizhaus".



Brauchen auch Behinderte Sex? Dass auch Menschen mit geistigem oder körperlichem Handicap Lust verspüren, ist ein Tabu. Auch Rolf Ziegler hat sich nie Gedanken darüber gemacht, ob seine Söhne ein Bedürfnis nach körperlicher Liebe haben könnten. Bis ein Arzt ihm sagte, dass sie genauso das Recht hätten, mit einem anderen Menschen Zärtlichkeiten auszutauschen.



"Wir mussten erst lernen, offen über das komplexe Thema Behinderte und Sexualität zu reden", sagt der Pensionär. Die Scheu hat sich gelegt. Während die Söhne mit den Damen aufs Zimmer gehen, klönt er an der Bar mit Bordell-Mitbetreiberin Doris. Nur seiner Frau ist das nicht ganz geheuer. Sie wartet so lange vor der Tür.



Für Martin ist der Besuch im "Geizhaus" ein echter Höhepunkt. Er macht sich fein und ist ganz aufgeregt. Für ihn ist die Prostituierte Jana* (32) seine Freundin. Meist bringt er ihr eine Tafel Schokolade mit. Wenn er wieder gehen muss, ist er traurig und klammert sich an ihrer Hand fest. Nach dem Besuch bei Jana ist er richtig entspannt und ruhiger, sagt sein Vater.



In dem Bordell gibt es 40 behinderte Stammgäste. Einige sitzen im Rollstuhl, andere sind geistig behindert. "Den meisten geht es nicht um puren Sex, sondern um Geborgenheit. Ihnen reicht es manchmal nur, einfach in den Arm genommen zu werden", sagt Doris. Von den 17 "Geizhaus"-Mädchen bieten zehn ihre Dienste für gehandicapte Besucher an. Sogar eine gelernte Krankenschwester ist dabei.



Eine von ihnen ist die blonde Jana, die sehr lieb lächeln kann und ein großes Herz hat. "Für mich sind alle gleich. Jeder hat doch das Recht auf Liebe und auf Zärtlichkeit", findet sie. Sie hat Martin beigebracht, dass man auf eine weibliche Brust nicht haut, sondern sie streichelt. Und dass körperliche Nähe zwischen Mann und Frau etwas sehr Schönes sein kann. Eine halbe Stunde kostet 38,50 Euro - genau so viel wie für gesunde Männer.



Jana hat im Umgang mit Behinderten keine Scheu, auch ihr Vater war nach einer Krankheit an den Rollstuhl gefesselt. "Sie sind meist dankbarer als die anderen Gäste", sagt sie. Bei einigen Querschnittsgelähmten ist beim Sex sogar Akrobatik gefragt, anderen reicht es, einfach nur Janas Körper zu berühren. Umarmungen und Streicheleinheiten sind für sie nicht selbstverständlich.



Bevor neue Besucher kommen, sehen sich ihre Betreuer erst einmal in dem Bordell um. "Sie wollen sichergehen, dass ihre Schützlinge gut behandelt werden. Eine Enttäuschung will man ihren ersparen", sagt Doris. Ein gelähmter Freier hatte einst versucht, auf der Reeperbahn Sex zu bekommen. Als er hilflos auf dem Bett lag, verschwand die Prostituierte einfach für drei Stunden. Liebe gab es nicht, eine Rechnung hingegen schon.



Anfangs waren die anderen Bordell-Besucher pikiert, wenn plötzlich an der Bar ein Rollifahrer auftauchte. Einige fanden die Vorstellung eklig, dass das Mädchen, mit dem sie schliefen, zuvor einen Behinderten an ihre Haut gelassen hatte. Mittlerweile haben sich die gesunden Gäste aber daran gewöhnt und helfen schon mal mit, einen Rollstuhl über die Treppe zu bugsieren.



"Ein netter behinderter Gast ist mir viel lieber als ein arroganter Macho", sagt Jana. Die Nachfrage nach ihrem speziellen Service ist da. Bald wollen die Betreiber eine Rollstuhlrampe bauen, damit das Haus noch einfacher zugänglich wird. Vielleicht wird auch die Mutter von Martin und Holger eines Tages ihre Scheu überwinden und nicht mehr im Auto warten. Denn eigentlich findet sie den Service gut. Manchmal gibt sie ihrem Mann Kuchen für die Mädchen mit.



(* Namen geändert)

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Datum:  22.5.2006
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