D as Sonnenland ist seine Heimat: Marius L. ist in der berüchtigten Siedlung aufgewachsen. Inzwischen ist er 16. Bis vor einem Jahr hat auch er noch bei der Jugendgang mitgemischt, die den Stadtteil in Aufruhr versetzt. Inzwischen aber hat Marius der Gewalt abgeschworen. Denn seit er in die Kfz-Mechaniker-Lehre geht, hat er etwas, was viele der Gleichaltrigen im Sonnenland nicht haben: eine Perspektive auf ein besseres Leben.
"Seit ich aus der Schule bin, habe ich mich nicht einmal geschlagen", sagt Marius und ist sichtlich stolz. Früher gehörte Gewalt zum Alltag. "Wenn Du hier lebst, dann bist Du entweder ein Schläger oder einer, der geschlagen wird. Und ich wollte Letzteres nicht sein."
Heute schüttelt er den Kopf. Über all den Unsinn, den er und seine Kumpel sich so geleistet haben: Einmal fackelte er einen Kaugummi-Automaten ab und wurde dabei von der Polizei erwischt. "Gab mächtig Ärger." Er grinst.
Totschläger, Schlagring, Messer - so war auch Marius früher bewaffnet. Daran zu kommen, sei ganz leicht. "Du brauchst doch nur auf den Kiez zu gehen, da kriegst Du alles - auch, wenn Du erst 14 bist."
Und dann berichtet er, dass die Sonnenländer regelmäßig an Massenschlägereien beteiligt seien. Meistens treten dabei Jugendliche des einen Stadtteils gegen die eines anderen an. "Die wollen sich beweisen. Dass sie die Stärkeren sind!" So erklärt Marius den "Sinn" dieser Übungen - auch, wenn er ihn selbst nicht mehr so recht versteht.
Marius weiß die Lösung für den Stadtteil: Mehr Geld die Jugendarbeit. Mehr Ausbildungsplätze. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Seit 2001 kürzte die Stadt dem Bezirk Mitte die Gelder für Betreuungsangebote für Jugendliche um 1,4 Millionen Euro.
Heute hält sich Marius fern von seinen Gleichaltrigen. Und löst seine Probleme friedlich. Er zitiert einen ehemaligen Lehrer von der Gesamtschule Öjendorf, der immer gesagt hat: "Gewalt ist keine Lösung." Marius: "Er hatte recht. Heute weiß ich das."