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Primarschule

Nun zoffen sich auch die Ärzte

Wer für die Primarschule ist, der schwächt den Gesundheitsstandort Hamburg. Mit dieser kühnen These wagten sich in der vergangenen Woche 47 leitende Hamburger Ärzte an die Öffentlichkeit. Sie forderten ihre Patienten auf, gegen die Reform abzustimmen. Empört über diesen Aufruf weisen nun Berufskollegen diese Vereinnahmung von sich. "Diese Gruppe gibt nicht die Meinung aller Hamburger Ärzte wieder", heißt es in einem offenen Brief, der schon am ersten Tag spontan von 40 Ärzten unterzeichnet wurde.



Nicht der Gesundheitsstandort Hamburg sei in Gefahr, meinen die Pro-Reform-Ärzte, sondern vielmehr würde mit solchen Stellungnahmen dem Bildungsstandort ein schlechter Dienst erwiesen. "Leider ist nichts von sozialer Verantwortung dort zu lesen, stattdessen eine elitäre Abgrenzung, damit die Kinder gut situierter Kaufleute und Ärzte weiterhin unter sich bleiben."



Dabei würden wissenschaftlich belegte Studien eindeutig zeigen, dass längeres gemeinsames Lernen zu messbar besseren Ergebnissen für alle führe. "Wenn wir in der Medizin evidenzbasiertes Handeln fordern, sollten die Reformgegner dies auch für die Erziehungswissenschaften gelten lassen. "Es ist nicht hinzunehmen, dass diese Kollegen das Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten missbrauchen, um ihre elitären Ziele zu verfolgen", heißt es in dem offenen Brief.



Die reformkritischen Ärzte hatten ihre Ablehnung der Primarschule vor allem damit begründet, dass es für Mediziner schwer wird, von einem Bundesland ins andere zu wechseln, wenn die Schulsysteme zu verschieden sind. Sie werben in ihren in den Praxen ausliegenden Briefen explizit für die Reformgegner von "Wir wollen lernen" und weisen auf deren Homepage hin.



Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte den Brief als "Klassenkampf im Wartezimmer". GEW-Chef Klaus Bullan: "Ein hoher Bildungsabschluss schützt nicht vor Engstirnigkeit." Die Personalversammlung der angehenden Lehrer (Referendare) verabschiedete gerade eine Resolution für die Schulreform.

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Datum:  11.5.2010
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