Als Michael Formella (21) sich am vergangenen Donnerstag um 5.30 Uhr in Blankenese in die S-Bahn setzte, war es noch dunkel. Auf der Fahrt nach Poppenbüttel, fielen ihm die Augen zu - und der Tag nahm einen fatalen Verlauf. Erst wurde ihm die Tasche mit Monatskarte geklaut - und dann schnappten ihn gleich zwei Mal Kontrolleure wegen angeblichen Schwarzfahrens. Bitter!
An der Haltestelle Jungfernstieg riss es ihn aus dem Schlaf, als er in seine Tasche guckte, war es schon zu spät: "Es fehlte meine kleine Tasche von Louis Vuitton - die allein hat schon 800 Euro gekostet. In der Tasche waren noch mein iPhone, meine Brieftasche mit 150 Euro Bargeld und meine HVV-Monatskarte", sagt Michael.
Er stieg am Hauptbahnhof aus, ging zur Polizei, erstattete Anzeige gegen unbekannt. Die Beamten gaben ihm eine Kopie der Anzeige mit. Wie aber sollte er nach Hause kommen? Ohne Geld, Telefon und Papiere stand er in der City. Die Frau am HVV-Schalter im Hauptbahnhof sagte ihm: "Sie können mit der S-Bahn nach Hause fahren. Wenn Sie in eine Kontrolle kommen, zeigen Sie das Anzeigeformular vor."
An der Haltestelle Landwehr wurde Formella das erste Mal kontrolliert. Er erzählte den Kontrolleuren vom Diebstahl und kramte die Strafanzeige heraus. Ohne Erfolg. "Das akzeptieren wir nicht! Wir haben noch nie gehört, dass man mit einer Strafanzeige der Polizei fahren kann", hieß es. 40 Euro Strafe.
Und: Kurz vor Poppenbüttel kamen erneut Kontrolleure! Wieder erzählte er seine Geschichte, wieder stieß er auf taube Ohren. Endlich in Poppenbüttel angekommen, stand er da: Ohne Tasche, ohne Handy, ohne Geld, ohne Monatskarte, aber mit zwei Zahlungsaufforderungen über 40 Euro. Bitter!
Die MOPO fragte bei der S-Bahn: Darf man mit einer Anzeige gratis fahren? Eine Sprecherin: "Wenn auf der Anzeige draufsteht, dass das Ticket geklaut wurde, dann soll der Prüfdienst das normalerweise durchgehen lassen." Michael Formella: "Das stand doch drauf!" Und nun? Die S-Bahn: "Wenn der Kontrolleur das nicht gewusst hat, kann der Kunde zu unserer Fahrgaststelle kommen und wir gucken, ob wir helfen können."