Der Ledereinband ist knallrot. Auf dem Deckel prangen der Sensenmann und das Hamburger Wappen. Jahrzehntelang lag es auf dem Dachboden der Alsterdorfer Polizeikaserne, wurde jetzt beim Bau des neuen Polizeimuseums entdeckt: Das geheime Buch der Todesarten.
Stolz hält Uwe Hanse (58) den gruseligen Schmöker in der Hand. Der Kripomann wird Chef des im Bau befindlichen Polizeimuseums: "Es dürfte sich um ein frühes Lehrbuch handeln, mit dem Polizeianwärter auf den harten Polizeialltag vorbereitet wurden." Das Unikat - mit Goldschnittverzierung - könnte um die Jahrhundertwende auf Initiative des legendären Kripo-Chefs Gustav Roscher entstanden sein. Der Pionier der modernen Verbrechensbekämpfung ordnete 1893 die Schaffung einer "polizeilichen Lehrmittelsammlung" an.
Die fast 6000 Preziosen werden der Grundstock des Polizeimuseums, das 2010 eröffnet werden soll. Der 900000 Euro teure Umbau der 1936 erbauten Polizeikantine wird vor allem mit Mitteln des Polizeivereins bestritten. Für Polizeipräsident Werner Jantosch ist das Museum eine Herzenssache: "Die Hamburger erwartet keine verstaubte Sammlung, sondern eine Polizei-Erlebnisstätte. Besucher können anhand alter Akten Fälle lösen, virtuell Polizeihubschrauber fliegen oder mit Blaulicht über die Reeperbahn fahren.