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MOPO.de | Schoko-Industrie: So dreist kassieren uns die Kartelle ab
01. February 2013
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Schoko-Industrie: So dreist kassieren uns die Kartelle ab

Auch bei den Süßwaren werden die Preise abgesprochen.

Auch bei den Süßwaren werden die Preise abgesprochen.

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dpa (Symbolfoto)

Berlin -

Geahnt haben wir es ja schon immer: Deutschlands Verbraucher werden gnadenlos abgezockt, weil die Industrie Preise abspricht. Jüngstes Beispiel: die Süßwarenhersteller. Laut Kartellamt wurden in geheimen Treffen die Schokoladenpreise abgestimmt. Jetzt wurden Bußgelder in Höhe von 60 Millionen Euro gegen zwölf deutsche Lebensmittelfirmen verhängt.

Im Februar 2008 durchkämmten Fahnder des Bundeskartellamts die Zentralen deutscher Süßwarenhersteller. Erstaunt bot sich den Beamten folgender Anblick: Einträchtig saßen da in der Frankfurter Nestlé-Zentrale der Absatzchef des Schweizer Lebensmittelriesen (Kitkat) mit der Konkurrenz von Mars, Ritter (Ritter-Sport) und Haribo zusammen.

Durch beschlagnahmte Unterlagen kamen die Wettbewerbshüter zum Schluss: Die „Vierer-Runde“, die seit 2006 regelmäßig tagt, hat geplante Preiserhöhungen abgesprochen. Kraft Foods (Milka) und Ritter sollen sich eine Zeit lang regelmäßig informiert haben, wenn eine Preiserhöhung für Schokoladentafeln beabsichtigt wurden. 2008 zum Beispiel, als sie die Preise gemeinsam um bis zu 25 Prozent anhoben.

Preisabsprachen bei Zement, bei Gas und Kaffee – befindet sich Deutschland auf dem Weg in die „Kartell-Republik“? Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, sieht dafür keine Anzeichen. „Die unbestrittene Zunahme von Verfahren ist auf die erhöhte Schlagkraft unserer Behörde zurückzuführen“, zeigt er sich gegenüber unserer Zeitung überzeugt.

Doch die Süßwarenkonzerne wehren sich: Grundsätzlich sei man „mit der Art und Weise, wie die Behörde das Kartellgesetz in diesem Fall ausgelegt hat, nicht einverstanden“, hieß es von Nestlé. Werner Bahlsen vom gleichnamigen Keks-Produzenten ist verärgert, dass man hier gegen „genehmigte Branchenrunden“ vorgegangen sei.

Kartellamtschef Mundt hält dagegen, dass auch in „einer grundsätzlich genehmigten Runde illegale Absprachen getroffen werden können“. Zudem ist er zuversichtlich, dass Entscheidungen wie jene, die jetzt gefällt worden seien, auf Dauer abschreckten.

Denn den Schaden zahlen wir Verbraucher: Als vor Jahren Kaffeekonzernen Preisabsprachen nachgewiesen wurden, kostete uns das 4,8 Milliarden Euro.