Er gibt es wenigstens zu. Während die Liga über Werder Bremens hanebüchene Verschleierungs-Strategien verständnislos den Kopf schüttelt, räumt Claudio Pizarro freimütig ein, was bei der Sonntags-Blamage bei Ex-Abstiegskandidat Köln wirklich los war: "Im Kopf waren wir wohl schon in Hamburg", so der Peruaner. Er selbst sieht beste Chancen, morgen endlich seine Torflaute (kein Treffer in den letzten fünf Pflichtspielen) zu beenden. Was ihn so zuversichtlich macht? Die HSV-Innenverteidigung.
Die Hamburger-Abteilung fürs Grobe hat beim eleganten Starstürmer in den bisherigen zwei Duellen wenig Eindruck hinterlassen. Der 30-Jährige glaubt, bei Joris Mathijsen und Michael Gravgaard ausreichend Schwächen ausgemacht zu haben, um seine Bremer ins Endspiel nach Istanbul zu ballern. "Für mich ist es ein Vorteil, dass ich die Verteidiger jetzt sehr gut kenne. Ich bin optimistisch, dass ich treffen werde und wir erfolgreich sind." "Pizza provocante" - da nimmt einer den Mund aber ganz schön voll. Der Holländer und der Däne ("Keine Ahnung - vielleicht ist es ja auch ein Vorteil für uns, dass wir seine Bewegungsabläufe besser kennen") lassen sich von derartigen Attacken ganz sicher nicht aus der Ruhe bringen. "Die Atmosphäre bei uns ist bestens, wir sind schön locker", bestätigt David Jarolim, "wir haben in Bremen ein gutes Tempo gespielt, und daran werden wir im Rückspiel anknüpfen. Wir sind fit."
Ausgeruht und voller Tatendrang - in Hamburg wird nicht über die Belastung gejammert. Pizarro hingegen entschuldigt sich schon mal prophylaktisch für etwaige körperliche Unzulänglichkeiten. "Man merkt schon, dass wir viele Spiele hatten - zuletzt dann sogar alle drei oder vier Tage." Müde Beine - großes Mundwerk. Womöglich nicht die allerbesten Voraussetzungen, um den morgigen Abend in der Nordbank Arena erfolgreich zu gestalten. Die HSV-Verantwortlichen nehmen es genüsslich zur Kenntnis.