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PETER ZADEK ZUM 80. GEBURTSTAG

"Brutaler Zugriff auf Zuschauer"

Lieber Peter,



wir haben uns erst sehr spät persönlich kennen gelernt. Zu Deiner "Familie" habe ich nie gehört, und so warst Du für mich lange eine magische, unerreichbare Gestalt. Die erste Aufführung, die ich von Dir sah, war eine Nachmittagsvorstellung beim Berliner Theatertreffen von "Othello", mit Wildgruber und Mattes. Ein Naturereignis, das tiefe Verstörung hinterließ. So eine direkte Art zu spielen kannte ich aus dem mitbestimmten Frankfurter Schauspiel nicht, wo ich zu der Zeit junger Assistent war. Dieser fast brutale Zugriff auf mich als Zuschauer wiederholte sich später wieder. Am nachhaltigsten bei "Ghetto" mit Tukur und "Lulu" mit Suse Lothar.



Die Mythen über Deine ewigen Kämpfe mit dem Stadttheater als Apparat kannte ich alle, als mich 1997 die Nachricht erreichte, Du würdest gerne mit uns an den Kammerspielen arbeiten. Ich dachte zuerst sowieso, das ist ein Scherz, aber nach unserem ersten Telefonat stand das Projekt und auch die Finanzierung, um die Du Dich selber mit gekümmert hattest. So kam es zu unserer ersten gemeinsamen Produktion "Gesäubert", und als Du Dich für die besondere Zusammenarbeit bedankt und mir das Du angeboten hast, war das wie ein Ritterschlag.



Man kann bei Dir viel lernen, nicht nur, wie man genial besetzt und wie viel die richtige Besetzung für die spätere Aufführung ausmacht. Man kann auch lernen, wie man die Spannung behält in der Arbeit und diese Spannung Deine Schauspieler immer zu besonderen Leistungen anspornt. Nicht umsonst warst Du nie mit Deinen Schauspielern befreundet, mit Wildgruber hast Du einmal privat eine Tasse Tee getrunken. Man kann von Dir lernen, sich seine Neugier zu erhalten. Kein Regisseur war während seiner Proben so oft in anderen Theatern und im Kino wie Du.



Natürlich kann man sich mit Dir streiten, und Du kannst dabei kräftig austeilen, aber wenn der Pulverdampf verraucht ist, kann man sicher sein, dass es immer um die Aufführung ging. Ich habe Dich nie anders erlebt. Deshalb ist Dein Satz, dass man sich als Regisseur unsichtbar machen und hinter den Text zurücktreten muss (was Du bei "bash" genial umgesetzt hast), völlig unzeitgemäß in einer Periode schnell wechselnder Moden und gewalttätiger Regisseurshandschriften.



Natürlich wird es jetzt wieder Kritiker geben, die Deinen Geburtstag zum Anlass nehmen werden, einen Nachruf auf Deine Karriere zu schreiben, um Dich damit endlich zu zwangspensionieren. Sie unterschätzen Deine Weisheit und Deinen völlig wachen Kopf, der immer noch in der Lage ist, Texte anders und aufregend neu zu lesen, wie bei "Der bittere Honig". Ich wünsche Dir viel Kraft und Zeit und uns noch eine Reihe gemeinsamer, aufregender Arbeiten.



Uli

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Datum:  18.5.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“