Wieder ist es Rechtsextremisten gelungen, einen Raum in einem öffentlichen Gebäude anzumieten. Vor zwei Monaten erst waren ehemalige SS-Leute zur Jahreshauptversammlung der so genannten "Hiag" in der Handwerkskammer zusammengekommen. Gestern war es das alte Stellinger Rathaus, Sitz des Ortsamtes, das heimgesucht wurde. Dorthin hatte die Burschenschaft "Chattia Friedberg zu Hamburg" zu einem Vortrag eingeladen. "Weltkriegs-Veteranen" sollten anlässlich des 61. Jahrestages der Kapitulation Anekdoten von der Front erzählen.
Doch es kam anders. 30 Angehörige linker Gruppen bauten sich vor dem alten Rathaus auf, skandierten "Nazis raus" oder reimten: "Lieber ein Geschwür am After als ein deutscher Burschenschafter". Ein Großeinsatz der Polizei konnte verhindern, dass es zu einer Straßenschlacht kam.
Zu den zahlreichen Rechtsextremisten, die der Einladung zum Vortrag gefolgt waren, gehörte die gesamte Hamburger Rechtsaußen-Prominenz. So etwa Alexander Hohensee, der stets die Aufmärsche in Hamburg organisiert, und Parteichefin Anja Zysk. Der Betreiber des "Ratskellers" beteuert, er habe keine Ahnung gehabt, wer seine Gäste sind. "Ein Privatmann hat den Saal gebucht."
Die Burschenschaft "Chattia" gilt schon länger als Neonazi-Organisation. Staatsfeindliche Propaganda veröffentlicht die "Chattia" unverblümt auf ihrer Homepage. Da heißt es beispielsweise: "Das System hat keine Fehler - das System ist der Fehler."