Eine Figur aus Wachs sorgt in Berlin für Wirbel. Heute eröffnet in der Hauptstadt die erste deutsche Filiale von Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett. Auch Adolf Hitler wird dort zu sehen sein, Politiker und jüdische Organisationen sind deshalb empört. Auch im Hamburger Panoptikum gibt es einen wächsernen Hitler - daran gestört hat sich allerdings noch niemand.
Das Wachsfigurenkabinett am Spielbudenplatz ist die älteste Einrichtung dieser Art in Deutschland. Die Figur Hitlers ist dort bereits seit 1948 ausgestellt. Der Wachs-Nazi steht im zweiten Stock, umgeben von anderen düsteren Gestalten der Geschichte wie Goebbels, Göring, Mussolini und Franco. Daneben sind die Widerstandskämpfer der Gruppe "Weiße Rose" verewigt.
"Unsere Besucher nehmen keinen Anstoß an Hitler. Für sie ist es eine Figur der Zeitgeschichte", sagt Panoptikum-Chef Hayo Faerber. Hitlers Abbild wurde bereits 1941 modelliert, doch die Nazi verboten, ihn aufzustellen. Der "Führer" sei schließlich keine Wachspuppe, argumentierten sie. 1943 wurde das Panoptikum im Bombenhagel zerstört. Als es 1948 wiedereröffnete, stellte man Hitler als eine der ersten Figuren aus. "Man hat sich damals dabei nichts gedacht", sagt Hayo Faerber.
Bei den jährlichen Zufriedenheitsumfragen unter den Besuchern hat es noch keine negative Reaktion zu der Nazi-Figur gegeben, so der Panoptikums-Chef. Allerdings sagt er: "Der Wirbel in Berlin gibt mir zu denken. Wenn Besucher sich verletzt fühlten, würde ich die Gruppe sofort wegnehmen. Aber diesen Eindruck hatte ich bislang nicht."