Orkan "Emma" fegte über Hamburg hinweg - und hätte am Flughafen fast eine Katastrophe verusacht: Eine Böe erfasste einen Airbus im Landeanflug, ließ einen Flügel über die Landebahn schrammen. An Bord des Fluges LH 044 durchlitten 131 Passagiere dramatische Momente der Todesangst, entgingen offenbar nur knapp einem Horror-Unfall.
Am Sonnabendnachmittag um 13.45 Uhr nimmt der Lufthansa-Airbus A320 aus München mit einstündiger Verspätung Anflug auf Fuhlsbüttel. Im Cockpit: Pilot Oliver A. (39) und Co-Pilotin Maxi J. (24). Aus Langenhorn kommend steuern sie den 77 Tonnen schweren Flieger auf Landebahn 23 zu.
Der Orkan hat den Flughafen zu diesem Zeitpunkt fest im Griff, erreicht Spitzengeschwindigkeiten von 94 Stundenkilometern (zehn Windstärken). Gefährliche Seitenwinde erschweren das Starten und Landen erheblich.
Die Piloten drosseln die Maschine (Kennung D-AIQP) auf 240 Stundenkilometer herunter und peilen die Landebahn an. Dann die Schrecksekunde: Wenige Meter vor dem Bodenkontakt greift eine starke Böe unter die Tragflächen, reißt die Maschine nach oben, stellt sie fast quer zur Landebahn - und lässt sie fallen! Der A320 berührt mit der linken Tragfläche den Boden, gerät ins Schlingern. Der äußere Teil des Flügels wird stark beschädigt. Die Piloten starten durch, retten den Passagieren damit vermutlich das Leben. Der A320 fliegt eine Schleife und landet wenige Minuten später sicher auf Bahn 33.
Schnell kursieren im Internet erste Fotos und Videos von der Schlinger-Landung. Darauf sind auch die entsetzten Schreckensrufe der Flugzeug-Fans (so genannte "Spotter") zu hören. Viele waren extra wegen "Emma" zum Flughafen gekommen.
Ein Hamburger Pilot (31), der den Beinahe-Crash von der Landebahn aus miterlebte, sagte zur MOPO: "Das war verdammt knapp! Hätte der Pilot nur eine Sekunde gezögert, hätte es einen schrecklichen Unfall gegeben." Seinen beiden Kollegen gibt er keine Schuld: "Sie haben alles richtig gemacht, mit solch starken Böen kann niemand rechnen."
Auch Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber lobt die jungen Piloten: "Die haben einen supertollen Job gemacht." Es sei das erste Mal gewesen, dass die beiden eine solche Situation in der Praxis erlebt hätten. Weber: "Am Simulator werden derlei Extremfälle aber bis zum Exzess durchsimuliert."
Die D-AIQP wurde sofort in Werkstatt gebracht. Schon heute wird sie wieder auf Reise gehen.