"Alles muss Müll werden", lautet das Motto des Abends. Und das wird gleich im Foyer aufgegriffen: Überall liegen ausrangierte Tour-Utensilien schmuddelige Bühnen-Klamotten oder die berühmte "Zitze", jener übergroße Alkohol-Spender fürs Publikum. Eine Band spielt "Killing In The Name" von Rage Against The Machine, und irgendwo kann man sich sogar die Deichkind-Uniform - einen Müllsack! - überstreifen.
Drinnen im Saal türmen sich im Bühnenhintergrund vollgestopfte Beutel bis unter die Decke, und die neue "Zitze" "könnte doch auf das Dach der Elbphilharmonie installiert werden", schlägt Deichkinds Philipp Grütering unter höflichem Beifall vor.
Deichkinds Anarcho-Theater ist eine collagenartige Zusammenstellung von Szenen, die sich jeglicher Dramaturgie verweigern. Die Band spielt mit unterschiedlichen Sichtweisen auf ihr bisheriges Schaffen: Da ist zum Beispiel Ferris, der mit Soziologen-Vokabular über Deichkind-Konzerte monologisiert, die "für das sexualisierte Subjekt wie ein perfektes Klo sind".
Schauspieler schlüpfen in die Kostüme der Bandmitglieder, während sich die Bühne dreht und man einen Blick hinter die üblichen Deichkind-Kulissen gewährt bekommt. Das ist zum Teil tatsächlich erheiternd, etwa wenn Regisseur Ted Gaier die Ergebnisse einer Umfrage vorliest, bei der sich Fans selbst beschreiben sollen.
Der ansteckende Euphorie-Showdown bleibt allerdings aus, weil die Band diesmal eben nicht die Rolle des Animateurs, sondern des kritischen Beobachters einnimmt. Der Großteil des Publikums bleibt da enttäuscht
zurück. (siems)
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