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Porno: Die neue Sucht aus dem Internet

580 Millionen Seiten gibt Google bei der Suche nach Sex an. Immer mehr Männer kommen von den Online-Pornos nicht mehr los.

Foto: dpa

Das 21. Jahrhundert hat seine erste eigene Droge: Online-Sex-Sucht, kurz "OSS". Experten gehen von 500.000 pornosüchtigen Deutschen aus, rund 13.000 sind es in Hamburg. Süchtig sind fast nur Männer - aber ihre Frauen leiden darunter. Psychologen vergleichen das Phänomen bereits mit Alkoholismus. Im April gibt es den ersten Kongress zum Thema.



Jede Sekunde gucken weltweit 28 Millionen Internetsurfer Pornos. Von "normalem" Sex bis Sodomie, Fäkal- und Vergewaltigungsszenen hat das Netz "alles zu bieten, was sich die Fantasie ausdenken kann", sagt die Hamburger Neuropsychologin und Paarberaterin Ann-Marlene Henning, die sich schon lange mit dem Thema befasst. "Pornos sind anonym, schnell, billig und jederzeit überall verfügbar." Ob zu Hause, am Arbeitsplatz oder übers Mobiltelefon: Porno ist überall.



Und immer mehr werden davon abhängig. "Das funktioniert wie bei Alkohol und anderen Drogen", sagt Theo Baumgärtner von der Hamburger Landeszentrale für Suchtfragen. Das Gehirn schüttet beim Betrachten der Bilder und bei der Selbstbefriedigung massenhaft Dopamin aus - der Glücksbotenstoff, der auch Kokser auf Zack bringt. Der Körper verlangt nach mehr. "Doch anders als bei illegalen Drogen gibt es keine Hürden zu überwinden", sagt Baumgärtner.



"Pornokonsum hat einen Anfang, aber kein Ende", schreibt ein Süchtiger im Forum "Onlinesucht". Die Beiträge unterscheiden sich nicht von denen Alkoholkranker. "Der härteste Gegner bist du selbst", sagt einer. Andere berichten von zerstörten Beziehungen, nachdem die Ehefrau sie mehrfach mit heruntergelassener Hose am Rechner erwischte. Von "Nachtschichten" im Büro ist die Rede, von der Jagd nach immer neuen Filmen.



Kinderpornografie spielt nur bei den wenigsten Nutzern eine Rolle. "Aber häufig wechseln die User von Softporno über Hardcore zu Gewalt- und schließlich Vergewaltigungspornos", sagt der Psychologe Raphael Bonelli, der in Wien den ersten Kongress im deutschsprachigen Raum zur Online-Pornosucht organisiert. "Viele Männer können kaum noch allein vorm Rechner sitzen, ohne auf einschlägigen Seiten zu suchen." Neben massiven psychologischen Problemen wird sogar von Haltungs- und Sehschäden berichtet.



Das Klischee vom arbeitslosen Daueronanierer ist dabei Quatsch. "Pornosucht ist kein Armutsproblem", sagt Baumgärtner. Vom Großstadtsingle bis zum Vorortpapi - angefixt vom Bildersex sind alle. Studien zeigen aber, dass oft Depressive betroffen sind.



Und süchtig sind fast ausschließlich Männer. "Deren Gehirn reagiert viel stärker auf visuelle Reize", sagt Henning. Sind die Männer in einer Beziehung, ist es fast immer die Partnerin, die Hilfe sucht, weiß Henning aus ihrer Praxis. "Frauen fühlen sich betrogen, fragen: Warum machst du es nicht mit mir?"



Die Erklärung ist "oft Unzufriedenheit und Faulheit": "Pornos sind einfach. Der schnelle, egoistische Kick. Man muss sich keine Mühe geben, nicht miteinander reden. Er wird von einer Maschine befriedigt, sie hat keine Chance mehr." Kommen Frauen ihren Männern auf die Schliche, sollten sie das Thema sofort ansprechen - aber ohne Vorwurf. Pornos seien nicht per se schlecht, "sie können eine Beziehung auch anregen. Aber wenn es krankhaft wird, ist das wie mit anderen Drogen."



Wann jemand süchtig ist, sei aber schwer zu sagen. "Jeder hat ja eigene Moralvorstellungen", sagt Baumgärtner. "Wenn man weiß: Die Pornos schaden mir und trotzdem nicht damit aufhören kann, dann ist das ein deutlicher Hinweis auf eine Sucht."

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Datum:  16.3.2010
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