TAUSCHBÖRSE
Ohne Geld lebt es sich wunderbar
So tauschen die Hamburger
So tauschen die Hamburger
Dustin Lundt (24) ist Kommunikationsdesigner und arbeitet seit drei Jahren als Freiberufler. Derzeit sucht Lundt eine Wohnung in Hamburg. „Mit meinem Einkommen ist ein Makler unbezahlbar, warum sollte ich auch cash zahlen, wenn ich meine Dienste im Gegenzug anbieten kann? Jeder hat doch Fähigkeiten, man muss sie nur richtig verkaufen.“ Lundt sucht derzeit einen Makler, der seine Internetseite gestalten lassen will oder neue Visitenkarten braucht – im Gegenzug will der Kommunikationsdesigner eine schöne Wohnung vermittelt bekommen. „Die Internet-Community Diensttausch ist sehr praktisch und effizient. Nebenbei laufen online die Angebote ein und du musst eigentlich nur im richtigen Moment zugreifen! Ich habe schon oft meine Grafikdienste angeboten und im Gegenzug zum Beispiel eine teure Handy-Reparatur in Anspruch genommen – es sind anstehende Ausgaben, für die ich dann aber doch ein wenig zu geizig bin in dem Moment und kein Bargeld hinblättern will, also tausche ich erfolgreich.“
Foto: Quandt
Brigitte Uhlmann (55) ist Geschäftsführerin des Dessous-Geschäfts Bella Donna in Winterhude. Uhlmann braucht Entspannung von ihrem stressigen Alltag und sucht derzeit Massagestunden, die sie im Gegenzug mit Edel-Dessous bezahlen würde. „Jeder hat doch etwas zu bieten, was ein anderer gebrauchen kann!“ Das Internetportal ist sehr unkompliziert, du knüpfst neue Geschäftskontakte und wirtschaftest ohne Bargeld.“ Auch die Flyer für ihr Geschäft hat Uhlmann über ein Tauschgeschäft, das sie über diensttausch.com abwickelte, drucken lassen.
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Yaschar Kahvand (29) betreibt das Restaurant Feuervogel in Altona.Der Gastronom braucht neue Speisekarten und bietet im Gegenzug der Firma eine rauschendes Weihnachtsfest im Feuervogel. „Das Tauschgeschäft ist ein exzellentes zweites Standbein. Wir haben schon sehr viele nützliche Tauschgeschäfte über diensttausch.com abgeschlossen. Die Fotos auf unserer Internetseite haben wir zum Beispiel mit einem Restaurantgutschein bezahlt. Die Programmierung der Werbebildschirme im Laden kostete mich ein gebrauchtes iphone. Obwohl ich mir nötige Anschaffungen leiste, bleibt das Bargeld in der Kasse!“
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Selma Coskun (28) ist gelernte Friseuse und Nagelmodellistin. Sie hat einen mobilen „Styling-Service“ – sie fährt mit ihrem Smart durch die Hansestadt und betreut ihre Kunden in den eigenen vier Wänden. Dezeit sucht Coskun einen Buchhalter. „Ich bin erst kürzlich der Internet-Community beigetreten. Ich brauche dringend jemanden, der meinen Papierkram verwaltet und meine Steuererklärung vorbereitet. Ich möchte aber kein Bargeld dafür ausgeben, also biete ich meine Dienste im Gegenzug an. Eine weiterer Vorteil der Community ist, dass ich neue wichtige Geschäftskontakte knüpfe und gleichzeitig auch neue Kunden gewinne. Wenn man einmal tauscht, dann kennt man sich und greift immer wieder auf die Dienste des anderen zurück. Du kommst durch die Tauschgeschäfte zu Dienstleistungen, ohne deine Liquidität zu beanspruchen, das ist unbezahlbar.“
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Kaveh Raji (30) ist Gründer des Portals diensttausch.com.
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Promi & Show
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Eine frische Mammutkeule gegen zwei Feuersteine, drei Körbe Beeren gegen einen neuen Flitzebogen oder doch Säbelzahntiger-Fell gegen Büffelleder? Unsere Vorfahren in der Steinzeit haben wie verrückt Waren getauscht. Auch heute gilt im Kindergarten noch Förmchen gegen Förmchen.
Aber spätestens mit dem ersten Taschengeld regieren Münzen und Geldscheine. Das muss nicht sein: Eine neue Bewegung hat den Tauschhandel wiederentdeckt!
„Man muss doch nicht immer mit Geldscheinen zahlen“, sagt Kaveh Raji. Der 30-jährige Programmierer hat das Steinzeitshopping ins 21. Jahrhundert katapultiert: diensttausch.com heißt seine Internetplattform. „Warum kaufen, wenn man auch tauschen kann?“, fragt Raji.
Auf dem Internetportal können Interessenten mit Dienstleistungen und Waren handeln. Das Prinzip ist einfach: Ich will etwas und biete dafür, was der Andere braucht. „Gerade in einer Zeit, wo die Menschen sich über Dumping-Löhne beklagen und Geiz im Trend ist, bietet die Tauschgemeinschaft eine Möglichkeit, Geschäfte abzuwickeln, ohne Karte oder Scheine zu zücken“, sagt Raji.
In der Praxis läuft das so: Ein heiratswilliger Klempner repariert Abflüsse und freut sich im Gegenzug über eine Hochzeitstorte. Eine Hamburger Masseurin lässt ihre gut ausgebildeten Hände kreisen, dafür pflegt ein Grafiker ihren Internetauftritt.
Aber auch die moderne Tauschtruppe scheint nicht ganz ohne Währung auszukommen: Wer nicht das passende Tauschmittel zur Verfügung hat, kann mit sogenannten „Barterpoints“ bezahlen. Die erhält, wer Neukunden wirbt. Im Restaurant Feuervogel in Altonakann man damit sogar schon seine Rechnung begleichen!
Aber auch für Tauschgeschäfte gilt: Rechnung schreiben und in der Steuererklärung auflisten.