Der schwarze Rassehahn war geköpft. Der blutverschmierte Körper lag in Samttücher gewickelt, die mit unbekannten Schriftzeichen bedruckt waren, am Zaun vom Friedhof Ohlsdorf. Dazwischen hatten die Täter Speckstücke drapiert. Nach diesem unheimlichen Fund ist sich Hamburgs Polizei sicher: Auf Europas größtem Friedhof finden Schwarze Messen statt.
Eine Spaziergängerin, die auf dem Wanderweg zwischen Eichenlohweg und Illandkoppel unterwegs war, hatte das Bündel entdeckt. Besser gesagt ihr Hund. Der hatte den Hahn zwischen den Zaunstreben hindurch vom Gelände des Friedhofs Ohlsdorf auf den Wanderweg gezerrt und stolz seinem Frauchen apportiert. Die rief entsetzt die Polizei.
Nun ermittelt die Wasserschutzpolizei, die für Tierquälerei-Delikte zuständig ist. Polizeisprecher Andreas Schöpflin: "Wir gehen von einer Tötung mit rituellem Hintergrund aus." Laut Polizei haben die Täter den Rassehahn für etwa 100 Euro auf dem Fischmarkt gekauft. Nun bitten die Beamten (Tel. 42865-6789) dringend um Hinweise auf die Satanisten. Lutz Rehkopf vom Friedhof Ohlsdorf zeigte sich betroffen von dem Fall: "Wir achten sehr auf solche Erscheinungen. Doch diese Leute verwischen meist ihre Spuren."
Öfter werden auf Hamburgs Friedhöfen rote Rosen am Eingang abgelegt oder Kreuze umgekehrt an Bäume genagelt oder an die Türgriffe von Kapellen gehängt - geheime Zeichen der Teufelsanhänger. Geköpfte Hühner wurden allerdings 2005 zuletzt entdeckt - zusammen mit Kerzen und einer Voodoo-Puppe am Wilhelmsburger Aßmannkanal. Hamburgs Sektenbeauftrage Ursula Caberta: "Es gibt immer wieder solche Rituale in der Stadt. Oft mit toten Hennen, Hähnen oder Katzen auf Friedhöfen. Viele werden gar nicht entdeckt." Experten schätzen die Zahl von Hardcore-Satanisten in Deutschland auf bis zu 7000. Dr. Rainer Fromm, Autor des Buches "Satanismus in Deutschland", zu der Szene: "In Sachen Gewaltfantasien wurde alles gesprengt, was ich für möglich hielt."