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Debatte um Versorgung nach Todesfällen in Berliner Kliniken

Berlin - Erst war ein alter Mann drei Tage lang unbemerkt in einem Krankenhaus-Fahrstuhl eingesperrt, dann verschwand ein anderer spurlos aus seinem Klinkikbett und wurde erst eine Woche später zwei Etagen tiefer tot in einem Technikraum gefunden.

Ein dritter Rentner wurde in einem Pflegeheim möglicherweise so heiß gebadet, dass er an den Folgen starb. Die Serie vernachlässigter Patienten in Berlin löste Kopfschütteln, Rätselraten und eine Debatte über die Betreuung alter und verwirrter Menschen aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) forderte am Freitag ein neues Betreuungskonzept. «Man muss versuchen, so viel wie möglich ambulant zu behandeln, damit diese Menschen nicht so lange aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen werden», sagte Johanna Knüppel vom DBfK in einem dpa-Gespräch. Die Krankenhäuser in Deutschland seien noch zu wenig auf die besonderen Probleme von Verwirrten eingestellt, obwohl deren Zahl stetig zunehme. Zahlreiche Politiker und Verbände kritisierten zudem den Stellenabbau beim Pflegepersonal in den vergangenen Jahren.

Das Bundesgesundheitsministerium sprach nach dem Tod des Patienten von einem erschreckenden Fall. Der Sprecher stufte ihn aber als Einzelfall ein. Das sah auch die Berliner Gesundheitsverwaltung so. Der Fall sei nicht auf Personalmangel zurückzuführen, sagte eine Sprecherin. Die Personalausstattung im Vivantes Klinikum sei höher als im Bundesdurchschnitt.

Die Vorkommnisse geben weiter Rätsel auf: So war der später tot gefundene 63 Jahre alte Mann in der Nacht zum Freitag vergangener Woche aus seinem Bett auf der Inneren Station verschwunden. Dutzende Polizisten und Klinikmitarbeiter suchten in der Stadt und auf dem Klinikgelände nach dem Demenzkranken. Was sie nicht ahnten: Der Mann lag nur wenige Meter von seinem Bett entfernt - zwei Etagen tiefer in einem unabgeschlossenen Technikraum, den er eigentlich von innen hätte öffnen können. Gegenüber Kritikern verweist die Klinikleitung darauf, dass es in dem Gebäude rund 7300 Zimmer gebe.

Auch der Fall in der Charité konnte nach einer Überprüfung durch das Krankenhaus nicht lückenlos geklärt werden. Warum und wie der 68 Jahre alte geistig behinderte Mann in den Fahrstuhl kam und warum er erst nach rund 80 Stunden gefunden wurde, ist auch eine Woche nach seinem zwischenzeitlichen Verschwinden unklar. Der Mann könne sich nicht an den Vorfall erinnern, sagte der Ärztliche Direktor der Charité. Die Klinik spricht von einer Verkettung unglücklicher Zufälle. Die Polizei räumte ein, möglicherweise nicht gründlich genug gesucht zu haben.

Der Mann war am Nachmittag in die Augenklinik gebracht worden, wo er rund eineinhalb Stunden auf die Untersuchung warten musste. Dann machte die zuständige Ambulanzschwester Feierabend und ließ den behinderten Mann allein in seinem Rollstuhl im Warteraum sitzen. Der Arzt bemerkte zwar wenig später das Fehlen des Mannes. Nach der Suche durch zwei Mitarbeiter vermerkte er schlicht in seiner Akte: «Patient zur Untersuchung nicht anwesend.»

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Datum:  16.6.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“