Nein, 20000 begeisterte Menschen an zwei Abenden können nicht irren. Von daher soll hier auch nicht weiter kritisiert werden, dass das Orchester Tschaikowsky zerwalzte und Dirigent Robert Groslot Ravels Bolero reichlich uninspiriert zerhackte. Oder dass einer wie Alan Parsons sängerisch mächtig am Mythos seines Megahits "Eye In The Sky" rüttelte. Befördert doch der Griff in die Erinnerungskiste bei der alljährlichen "Nokia Night Of The Proms" alte Helden in die Color Line Arena und gibt dem Publikum die Chance, seine vor einem Vierteljahrhundert erfolgte musikalische Sozialisation noch einmal zu durchleben.
Das bringt dann zwei Typen auf die Bühne, die sich beim längeren Hinsehen als die Überreste von Heaven 17 entpuppen. Und einen John Miles, der sich auch im 25. Jahr der Proms-Night auf seinen (wunderbaren!) "Music"-Hit reduzieren lässt. Aber von Zeit zu Zeit hört man die Alten eben gern. Die Neuen dagegen nicht ganz so, wie der knappe Beifall für Jungspund Christina Stürmer zeigt.
Wirklich unter die Haut geht der Auftritt von Roxette: Mag Marie Fredriksson nach ihrer schweren Krebserkrankung körperlich nur noch ein Schatten der einstigen Powerfrau sein - gesanglich holt die Schwedin alles aus sich heraus. Treibt den Fans mit den Pop-Balladen "It Must Have Been Love" und "Listen To Your Heart" die Tränen in die Augen - und lässt selbst den Kritiker gerührt verstummen.