Die Vorfreude steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Beim gestrigen Abflug in Richtung Asien strahlte das Hamburger Handball-Trio um die Wette. Pascal Hens (28), Torsten Jansen (31) und Johannes Bitter (25) vertreten in Peking die HSV-Farben und haben dabei ein klares Ziel: Der WM-Titel von 2007 soll bei Olympia vergoldet werden. Doch auch das Zwischenmenschliche wird sicher nicht zu kurz kommen.
In Zhuhai bei Hongkong holen sich die Weltmeister für ihre neue Mission den letzten Schliff. Hens und Jansen, die zuletzt Verletzungsprobleme hatten, werden dann wieder ins Training einsteigen. "Ich habe seit ein paar Tagen keine Schmerzen mehr", sagt "Pommes". Und "Toto" berichtet: "Ich steige guten Mutes in den Flieger." Erst einmal im Olympischen Dorf angekommen, dürfte die Laune noch einmal einen Schub bekommen - gerade bei Bitter. Der Keeper ist zum ersten Mal bei den Spielen dabei. "Es ist noch ein ungreifbares Gefühl", sagt "Jogi". "Olympia war immer ein Traum für mich. Hier sitzt die gesamte Sportelite auf einem Haufen. Ich werde das alles einfach auf mich einströmen lassen."
Während sich Jansen bei seinen zweiten Spielen vor allem für die Schwimmer und Leichtathleten interessiert, hat sich Hens ganz besonders darüber gefreut, dass sich Dirk Nowitzki qualifizieren konnte. Der Handball-Superstar will den Basketball-Giganten endlich kennen lernen: "Ich bin ein großer Fan des Sports und würde auch gerne ein Spiel des US-Teams mit den ganzen NBA-Stars sehen."
Daran, dass es in Peking jedoch vornehmlich um Handball geht, lassen die drei HSVer keinen Zweifel. "Unser erklärtes Ziel ist Gold", gibt Hens unmissverständlich zu verstehen. Als amtierender Weltmeister wäre jedes andere Ziel auch unangemessen. Dennoch geht die DHB-Auswahl nicht gerade als Top-Favorit ins Rennen. Bitter, der mit Henning Fritz das Torhüter-Duo bildet: "Wir müssen erst einmal ins Viertelfinale kommen. Ab da entscheidet die Tagesform." Auch Hens, der sich 2004 in Athen in der Vorrunde verletzt hatte, glaubt, dass es "verdammt schwer" wird. "Wir wissen, dass wir es drauf haben. Für Gold muss aber alles passen."
Ohne den bisherigen Kapitän Markus Baur (37) müssen andere mehr Verantwortung übernehmen. Neben den drei Hamburgern baut Bundestrainer Heiner Brand (56) da vor allem auf Christian "Blacky" Schwarzer. Den 38-jährigen Kreisläufer konnte er abermals zu einem Comeback überreden. Hens: "Blacky kann einiges bewegen - vor allem als Leader." Überhaupt zähle die Gemeinschaft viel mehr als der Einzelne: "Unsere größte Stärke ist der Teamspirit. Wir leben von unserer Begeisterung. Das ist ein Vorteil gegenüber unseren Konkurrenten."
In der Vorrunde sind das Südkorea mit dem Ex-HSVer Kyung-Shin Yoon, Island, Ägypten, Russland und Europameister Dänemark mit Hamburgs Rechtsaußen Hans Lindberg. Die ersten vier Teams kommen ins Viertelfinale, das Weiterkommen ist für den Weltmeister eine Pflichtaufgabe. In der Runde der letzten Acht warten dann Brocken wie Olympiasieger Kroatien (mit Blazenko Lackovic), Vize-Weltmeister Polen (mit den Lijewski-Brüdern) sowie Frankreich (mit den Gille-Brüdern) und Spanien auf die deutsche Mannschaft. "Einer meiner Spieler wird sicher mit der Goldmedaille nach Hause kommen", glaubt HSV-Trainer Martin Schwalb. "Ob das die deutschen Jungs sein werden, weiß ich aber nicht."
In Zhuhai, wo die Luft wesentlich besser ist als in Peking, arbeiten Hens, Jansen, Bitter und Co. nun noch eine Woche daran, dass sie es sein werden, die ihren Hamburger Vereinskollegen beim ersten Training stolz ihre Medaillen zeigen können - in Gold.