Sie ist die kleinste aller Hamburger Olympioniken. Ein zartes Persönchen, 1,71 Meter klein und 57 Kilo leicht. Und doch ist Berit Carow die Größte. Und das lange vor ihrem ersten Ruderschlag auf der olympischen Regattastrecke in Shunyi.
Ein gigantisches Plakat mit dem Konterfei der fröhlichen Blondine prangt am Boltenhof gegenüber der Speicherstadt, 21,5 mal 10,5 Meter. Carows Antlitz ziert das größte der vielen Plakate, mit denen das "Team Hamburg Beijing" für seine Olympia-Starter wirbt. Denn die 27-Jährige ist eine der größten Medaillen-Hoffnungen der Hansestadt. Vielleicht sehen tausende Hamburger jeden Tag beim Vorbeifahren eine kommende Olympiasiegerin.
Die ungeheure Kraft der Ruderin der RG Hansa zeigt sich nicht durch dicke Muskelpakete an den Armen, sondern durch ihre Entschlossenheit im Blick. Willensstärke. Die drahtige Carow weiß, was sie kann und was sie will: "Wir wollen eine Medaille". Wir - das sind die gebürtige Neumünsteranerin und ihre Partnerin im Leichtgewichts-Doppelzweier, Marie-Louise Dräger (Rostock).
Für dieses Ziel hat Carow, die seit ihrem achten Lebensjahr rudert, ein Jahr lang geackert, ist von Rennen zu Rennen und Trainingslager zu Trainingslager gereist. Sie hat ihrem "Projekt Peking" alles untergeordnet, Beruf und die Liebe. Ihre Doktorarbeit in Biochemie am weltberühmten Stockholmer Karolinska Institut ruht seit gut einem Jahr, und in Schwedens Hauptstadt wartet ihr Freund Lars. Und auch auf süße Sünden wie Schokolade und Eis musste sie meist verzichten. "Nicht immer ganz einfach", wie sie augenzwinkernd zugibt. Jedes Kilo zählt. Das Los der Leichtgewichts-Ruderer.
Die Opfer haben sich bereits ausgezahlt. In diesem Jahr gewann Carow mit Dräger den Gesamtweltcup in ihrer Bootsklasse, was sie zu Gold-Kandidatinnen bei Olympia macht. "Wenn wir einen guten Tag erwischen, ist alles möglich", sagt Carow, die sich und ihre Mitstreiterin als "gnadenlose Schnellstarter" bezeichnet, die das Renngeschehen gerne von vorne diktieren und dort am liebsten bis zum Zieleinlauf bleiben.
Edelmetall haben sich auch Bastian Seibt (Der Hamburger und Germania Ruder Club) und Maren Derlien (RG Hansa) als Ziel auf die Fahne geschrieben. Die 32-jährige Derlien hat sogar zwei Mal die Chance. Sie startet sowohl im Achter als auch im Zweier. In letztgenannter Bootsklasse ruderte sie in Athen 2004 auf Platz fünf. Diesmal soll unbedingt eine Medaille her für die Weltmeisterin im Doppelvierer von 1999. Es wäre die Krönung ihrer langen, entbehrungsreichen Karriere.
Der Bramfelder Seibt, der bei einer Immobilienfirma angestellt ist, musste lange und hart kämpfen für seinen Platz im deutschen Leichtgewichts-Vierer, um den sich insgesamt zwölf Ruderer stritten. Sein Ziel für Peking: "In den Endlauf kommen - dann ist alles möglich."
Für Hamburgs Ruder-Trio gilt: Immer schön am Riemen reißen! Dann klappt es mit dem Edelmetall.