Yo La Tengo
"Populäre Lieder" versprechen die US-Alternative-Rocker auf ihrer 14. Platte - und das kommt hin: Ausgeglichener, im Arrangement auch ausgefeilter, klangen Yo La Tengo noch nie. Zwei Drittel der Platte klingen so, dann kommen ausufernde lange Stücke von zum Teil berückender Schönheit. Fast wie eine Entschuldigung wirken da die schroffen Klangwelten des abschließenden "And the Glitter is Gone". (rd)
"Popular Songs" (Matador/Indigo)
The Clean
Von den vielen Bands, die in den 80ern mit der Kiwi-Welle aus Neuseeland zu uns schwappten, waren The Clean eine der aufregendsten. Noch heute gehört die Band zu den schönsten Fußnoten des Gitarren-Pop. Auch diesmal gelingt der elegante Spagat zwischen luftigen Melodien und tiefgründigen Arrangements. Obwohl das Trio nur noch sporadisch zusammenkommt, zeugen die zehn von Folk und Psychedelia inspirierten Songs von blindem Verständnis. (sn)
"Mister Pop" (Morr Music/Indigo")
Gilad Atzmon
Üblicherweise lässt Gilad Atzmon keine Gelegenheit aus, den USA und seiner Heimat Israel am Zeug zu flicken: Das politische Urteil, das der Saxofonist und Schriftsteller aus seinem Londoner Exil ausstellt, ist vernichtend. Eine Platte namens "In liebender Erinnerung an Amerika" ist da natürlich mit Vorsicht zu genießen. Doch Atzmon meint es ernst - nimmt Charlie Parkers Klassiker "with Strings" als Aufhänger für einer Liebeserklärung an den klassischen US-Jazz. Mit ein paar Haken, das war ja klar: Die Streicher in "If I Should Lose You" verstolpern sich ins Ungemütliche, der Groove unter "What Is This Thing Called Love" ist zeitgemäß. So wie das Album - zugleich nostalgisch und sehr modern. (rd)
"In Loving Memory of America" (Enja/Edel)
Rodriguez & Gabriela
Rodrigo Sanchez und Gabriela Quintero stammen aus Mexiko, spielten dort in Metal-Bands und zogen ohne Englischkenntnisse und mit einer Handvoll Dollar nach Dublin. Heute sind die beiden Stars und dieses Album ein Keulenschlag. Noch viel rasanter und virtuoser als Apocalyptica rauscht das Paar im Fingerpicking-Fieberwahn über die Saiten der Akustik-Gitarren. Flamenco und Tango bekommen eine Rock-Kur. (sn)
"11:11" (Pias/Rough Trade)
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?