Hamburg-Hafenstraße - in den 80er Jahren war das die Kampfzone der Hansestadt. Jetzt entsteht hier ein Vorzeige-Wohnprojekt. Material stapelt sich auf dem rund 800 Quadratmeter großen Gelände, Bauarbeiter schleppen Stahlrohre über den Sandboden. Wo mal der Straßenkampf tobte, sind nun die ehemaligen Hausbesetzer als Bauherren aktiv. Mit gemischten Gefühlen ziehen sie ein Wohnidyll mit Elbblick hoch.
Im Juli 2007 soll der Neubau mit sieben Geschossen stehen. Bodentiefe Fenster, Balkone und Dachterrasse, Kaltmiete zwischen 5,60 und 9 Euro - sozialer Wohnungsbau vom Feinsten. "Die Genossenschaft ¸Alternativen am Elbufer' hat Wert darauf gelegt, dass das Haus nach hinten an die Bernhard-Nocht-Straße versetzt gebaut wird. Es entsteht damit ein Vorgarten in Richtung Elbe", sagt der zuständige Architekt Günter Trommer (57) vom "Planerkollektiv".
Auf Wunsch der Gruppe "Plan B", die das neue Gebäude beziehen wird, werden die Wohnungen als 4er- bis 9er-WGs konzipiert. Zusätzlich entsteht ein Rundbau an der Hafenstraße 116, wo in der Gemeinschaftsküche seit Jahren diskutiert und gegessen wird.
Zähneknirschend haben die Hafenstraßen-Bewohner der Bebauung des Grundstücks zugestimmt. "Wir standen unter Druck, weil im Jahr 2003 unsere Kaufoption ausgelaufen ist. Hätten wir nicht gehandelt, wäre das Grundstück auf den freien Markt gegangen", sagt Claus Petersen aus dem Aufsichtsrat der "Alternativen am Elbufer". Um die Finanzierung zu sichern, musste die Baulücke verschwinden. Auch das Graffiti-Kunstwerk am Haus 116 gehört bald der Vergangenheit an. Das 2,8-Millionen-Projekt finanziert die Wohnungsbaukreditanstalt.
Auch die künftigen Bewohner stehen bereits fest. "Wir sind zwischen 20 und Mitte 40 und leben bereits in WGs zusammen. 38 werden in den Neubau und zwei in den Anbau an der Hafenstraße ziehen", verrät Neumieter Sven Jacobs (43).