Sie hat einst in Hamburg Geschichte studiert - und offenbar nichts daraus gelernt: Inge Nottelmann ist seit mehr als 15 Jahren in der Neonazi-Szene aktiv. Jetzt bringt sie den Hass in die Hansestadt: Die 38-Jährige hat die Demonstration Rechtsradikaler in Barmbek zum 1. Mai angemeldet und wird diese auch leiten. Motto der kruden Veranstaltung: "Arbeit und soziale Gerechtigkeit für alle Deutschen. Gemeinsam gegen Globalisierung".
Was erwartet die Hamburger da? Nottelmann hat bei der Polizei 700 Demo-Teilnehmer angemeldet. Gut möglich, dass es deutlich mehr werden. Denn die Nazis werben bundesweit für ihre zentrale 1.-Mai-Veranstaltung. Und die NPD sitzt mit im Boot, dürfte organsiatorische Hilfe leisten. Auf einer einschlägigen Website bezeichnet sich die NPD Hamburg und ihre Jugendorganisation als "Unterstützer" der Nazi-Demo. In den vergangenen Tagen verteilten die rechten Aktivisten zudem in ausgewählten Stadtteilen - darunter St. Pauli - Flugblätter mit einem Aufruf für die Demo.
Die Neonazis Jürgen Rieger, der in Barmbek persönlich spricht, Christian Worch und Thomas Wulff sind zentrale Figuren in der Szene. Im Fall der Barmbeker Demo dürfte aber viel über Nottelmann laufen. In diversen Verfassungsschutzberichten taucht die gebürtige Hamburgerin immer wieder in Zusammenhang mit dem "Aktionsbüro Norddeutschland" auf. Dabei handelt es sich um eine Art Umschlagsplatz für Informationen aus der rechten Szene. Auch der Neonazi Tobias Thiesen wird in dem Zusammenhang genannt - mit ihm soll die "Braune Inge" ein Verhältnis haben. Rechtsextremismusforscher Andreas Speit: "Nottelmann ist bei den Debatten über die Strategie der rechten Szene bisher überhaupt nicht aufgefallen." Es sei ihr gelungen, sich aus den Grabenkämpfen in der Szene weitgehend herauszuhalten. "Aber das macht sie zu einer wirkmächtigen und integrierenden Figur hinter den Kulissen", glaubt der Autor mehrerer Bücher zum Thema.
Dennoch ist die "Braune Inge" kein unbeschriebenes Blatt: Zwar ist die korpulente Frau - anders als viele ihrer männlichen Kameraden - nicht rechtskräftig verurteilt. Dabei sieht sie sich selbst aber durchaus als "Frontkämpferin". Zu diesem Zweck gründete sei einst den "Arbeitskreis Mädchenschar". Erklärtes Ziel: Frauen zusammenzuführen, die nicht nur Anhängsel eines Nazis sein wollten. Auch wenn es den Arbeitskreis heute nicht mehr gibt: Ihr Ziel, als eigenständige Aktivistin wahrgenommen zu werden, hat Nottelmann erreicht. Speit: "Sie weiß genau, was sie tut. Und sie ist ganz klar Überzeugungstäterin."