Die meisten Häuser stehen einfach rum. Doch dann gibt es welche, die eine Geschichte erzählen. Manche die Geschichte eines Viertels. Auf der Schanze, direkt neben der Roten Flora, steht so ein Gebäude. Seit Jahren steht es fast komplett leer. Was ist los mit dem Geisterhaus vom Schulterblatt?
Die Geschichte beginnt mit einer britischen Bombe. 1943 fliegt der Eckbau in die Luft, nur ein kleiner Teil bleibt in der Juliusstraße stehen. "Ich habe gegenüber gestanden und zugesehen, wie das Haus verbrannte. Es war furchtbar", erzählte die Eigentümerin Edith Carstens.
Für den Wiederaufbau hatte sie kein Geld. Nach ihrem Tod wurden die Erben die Hausreste mit vier Wohnungen nicht los: Vor 20 Jahren war die Schanze nicht Yuppie-Hochburg. Wer Geld hatte, zog weg, nicht hin.
Doch die Spekulanten standen schon bereit: Laut Mieter Helfen Mietern wurde das Gebäude 1996 für 130000 Mark verkauft. Der neue Eigentümer setzte die Mieten herauf und verschickte Räumungsklagen -erfolglos. Also wurde das Haus mit Gewinn weiterverkauft: Da galt die Schanze bereits als Geheimtipp.
Auch der nächste Eigentümer schickte Klagen statt Handwerkern in die gammelnden Wohnungen. Wieder erfolglos, wieder wurde verkauft: Da sollen bereits 600000 Euro geflossen sein.
Denn plötzlich war die Schanze eines der teuersten Quartiere der Stadt. Der neue Eigentümer, Ernst August Landschulze, baute das Eckhaus nach den alten Plänen wieder auf. Allein die Gründerzeit-Fassade kostete 120000 Euro.
Das Geld musste auf andere Weise wieder rein. "Alle Mieter wurden mit fiesesten Tricks rausgeschmissen. Nur bei mir hat es trotz vier Klagen nicht geklappt", sagt Charlotte Schmidt (47, Name geändert), die seit 24 Jahren dort wohnt. Außer der alleinerziehende Lehrerin wohnt niemand mehr im Geisterhaus -obwohl es seit zwei Jahren in neuem Glanz erstrahlt.
Nicht der einzige Landschulze-Leerstand. Am Grünen Jäger und in der Susannenstraße stehen zehn Wohnungen seit Jahren leer, auch ein Hinterhaus gammelt vor sich hin -während Tausende händeringend nach einer Wohnung suchen.
Landschulze verweist darauf, dass Bauarbeiten und Reparaturen eben lange dauern. Schmidt sagt, die Handwerker kommen nur sporadisch vorbei.
Der Verein Mieter helfen Mietern vermutet daher Spekulation hinter dem Leerstand und hat eine Anzeige beim Bezirksamt gestellt. Ungenutzter Leerstand ist vereinfacht gesagt verboten -kommt aber gerade auf der Schanze und in Altona immer öfter vor. Das Prinzip dahinter ist bekannt: Alle Mieter rausekeln, Eigentumswohnungen schaffen und dann teuer verkaufen. Doch Mieterin Schmidt will sich auf keinen Fall vertreiben lassen. Sie will weiter die Geschichte des Hauses und der Schanze mitbestimmen.