Es rumort beim NDR. Mitarbeiter proben den Aufstand. Alle freien Journalisten sind heute zum "Aktionstag" aufgerufen - eine Protestaktion, die den gesamten Sendebetrieb behindert. Immerhin beschäftigt der ARD-Sender neben rund 3600 festen auch rund 1400 freie Mitarbeiter.
Für den heutigen Donnerstag geplante Konferenzen wurden abgesagt, Planungstreffen entfallen, Moderatoren müssen ersetzt werden. Viele Radioreporter können nicht eingesetzt, Nachrichtenschichten nicht besetzt werden. Das alles habe Auswirkungen auf Sendungen wie "Zapp", "Panorama", "Visite" oder "Markt". Selbst beim Satire-Magazin "Extra 3" ist Schluss mit lustig. Moderator Tobi Schlegl hat sich freigenommen, es werden Archiv-Stücke gesendet.
Mit dem Aktionstag wollen die "Freien im Norden", das ist die Interessenvertretung der nicht fest angestellten Journalisten, eine "vernünftige Beschäftigungspolitik" beim NDR durchsetzen. Hintergrund: Freie Mitarbeiter, die einen Großteil des Programms machen, müssen nach zehn bis maximal 15 Jahren gehen. Mit dieser Regel will der NDR Klagen auf Festanstellung verhindern. Ihnen wird oft geraten, sich um ein "zweites Standbein" zu bemühen - also Arbeit abseits des NDR. Das nehmen viele Mitarbeiter heute wörtlich. Sie wollen sich bei Zeitungen und anderen Sendern symbolisch bewerben.
NDR-Sprecher Martin Gartzke versicherte auf Anfrage, der Sender werde sich weiterhin bemühen, frei werdende feste Stellen möglichst mit freien Mitarbeitern zu besetzen. "Derzeit wird bereits etwa jede zweite frei werdende Redakteursstelle mit einem freien Mitarbeiter besetzt."
AO