Wasserwerfer rückten an. Flaschen und Böller flogen. Die Besetzung des „Geisterhauses“ an der Kreuzung Juliusstraße/Schulterblatt endete Sonnabend mit der Räumung des Gebäudes und elf Festnahmen. Die Besetzung ist offensichtlich erst der Anfang des Kampfes um leerstehende Flächen.
Die Protestler hängten am Nachmittag Banner („Besetzt“, „Leerstand zu Wohnraum“ und „Miethaie zu Fischstäbchen“) an die Fassade. Vor der Tür wurde Suppe verteilt. Immer wieder ließen sich Besetzer auf dem Balkon blicken, mal mit Ahlhaus-Maske, mal mit Luftschlagen um den Kopf.
„Steigende Mieten sowie Wohnungsmangel und auf der anderen Seite Leerstand von Büros und Wohnungen, damit ist Schluss. Das Gebäude führen wir wieder einer Nutzung zu“, so ein Protestler.
Doch am Abend rückten knapp 400 Beamte mit Wasserwerfern an. Die zuvor friedliche Stimmung kippte. Flaschen und Böller wurden geworfen. Gegen 20 Uhr sägten die Beamten die verrammelte Tür mit einer Kettensäge auf und nahmen die Besetzer (vier Frauen und drei Männer) vorläufig fest. Vier weitere Tatverdächtige wurden vor dem Haus festgenommen. Es kam erneut zu Flaschenwürfen.
Zudem warfen drei Vermummte die Fenster der Stadtentwicklungsgesellschaft („steg“) an der Eimsbütteler Chaussee ein. Bei dem Einsatz erlitten drei Beamte durch Flaschenwürfe Verletzungen, einer verletzte sich bei dem Versuch, die Tür zu öffnen.
Etliche Passanten kritisierten das Vorgehen der Beamten. „Die Miteigentümerin des Hauses hat Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs gestellt. Deshalb mussten wir handeln“, sagt Polizeisprecher Mirko Streiber. Es sei zum Einsatz von Wasserwerfern gekommen, weil mit Böllern und Flaschen geworfen wurde.
Der Streit um das „Geisterhaus“ brodelt seit langem (MOPO berichtete). Nachdem das Gebäude teils saniert, teils neu aufgebaut wurde, steht es seit Jahren fast komplett leer. „Alle Mieter wurden mit Tricks rausgeschmissen. Nur bei mir hat es trotz mehrerer Klagen nicht geklappt“, sagt die einzige Mieterin.
Nicht der einzige Wohnungs-Leerstand von Eigentümer Ernst August Landschulze im Viertel. SPD-Bauexperte Andy Grote fordert deshalb eine Anzeige- und Vermietungspflicht auch bei kurzzeitigem Leerstand. Grote: „Spekulativer Leerstand regt die Leute zurecht auf. Der Protest ist nachvollziehbar. “ Am Mittwoch wird das Thema im Stadtentwicklungsausschuss beraten. Auch die GAL will den Kampf gegen Leerstand forcieren, setzt aber auf eine Beschleunigung der bestehenden Verfahren.
Landschulze verweist darauf, dass Bauarbeiten und Reparaturen eben lange dauern. Auch der Verein Mieter helfen Mietern vermutet Spekulation hinter dem Leerstand und hat eine Anzeige beim Bezirksamt gestellt. „Möglicherweise wird hier bereits auf eine Wertsteigerung nach der Räumung der Roten Flora spekuliert“, heißt es in dem Flugblatt der Besetzer.
Die Protestler (17 bis 53 Jahre) sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Sie kündigten an, künftig auch Eigentumswohnungen zu besetzten. Am kommenden Sonnabend haben zudem dutzende Initiativen zu einer Großdemo von der Uni zum Astra-Turm (St. Pauli) aufgerufen. Sie fordern die Legalisierung von Bürobesetzungen