Noch im Gerichtssaal wurde er von Morsals Mörder Ahmad Obeidi (24) übelst bepöbelt, wenig später ging bei der MOPO eine Todesdrohung ein: "Boris Staatsanwalt wird bald tot sein!" Nun haben Polizei und Justiz entschieden: Staatsanwalt Boris Bochnick bekommt Polizeischutz.
Die Fachleute des Landeskriminalamts (LKA) haben sich bereits mit dem 41-Jährigen getroffen und ein Sicherheitskonzept erarbeitet. Die Privatwohnung Bochnicks wird abgesichert. Zwei Personenschützer begleiten den Staatsanwalt ab sofort auf Schritt und Tritt, vor allem aber auf dem Weg zu den Gerichtsverhandlungen, bei denen er die Anklage vertritt.
Bochnick ist bei Strafverteidigern gefürchtet und gilt als einer der besten Staatsanwälte Hamburgs. Er hatte im Verfahren um den Mord an Morsal (16) wie ein Löwe für die Verurteilung Ahmad Obeidis wegen Mordes an seiner Schwester gekämpft.
Als tatsächlich am Freitag das Urteil "Lebenlang" fiel, entlud sich der ganze Hass Obeidis auf Bochnick. Der Angeklagte schleuderte Akten in seine Richtung und schrie unter anderem: "Du Hurensohn!"
Wegen dieser Drohung erwägt die Staatanwaltschaft nun Anzeige zu erstatten. Behörden-Sprecher Wilhelms Möllers sagte dazu: "Grundsätzlich darf ein Angeklagter Emotionen zeigen, gerade wenn er ein lebenlanges Urteil bekommen hat. Aber Angriffe in dieser Massivität haben wir nicht erwartet und so auch noch nicht erlebt." Möllers erklärte im Namen der Staatsanwaltschaft weiter: "Das trifft uns schon, vor allem weil wir den Eindruck haben, dass es mehr um allgemeine Angriffe gegen Justiz und Staatsanwaltschaft ging."
Die Fachleute des LKA versuchen nun den Absender der Todesdrohung zu ermitteln. Bisher gibt es noch keine heiße Spur. Den Täter erwartet ein Verfahren wegen Bedrohung.