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NACH IHRER FLUCHT NACH ÖSTERREICH

Kassiert die Bibel-Familie im Ausland Kindergeld?

Armin Eckermann, Anwalt der bibeltreuen Familie R., bestätigte gestern die Beobachtung der Nachbarn: André R. (43), seine hochschwangere Ehefrau Frauke (39) und ihre sechs Kinder (2 bis 15 Jahre) haben Hamburg verlassen (MOPO berichtete exklusiv). Zu dem derzeitigen Aufenthaltsort der strengreligiösen Schulboykotteure wollte er sich nicht äußern. Den Nachbarn soll das Ehepaar R. angekündigt haben, dass die Familie nach Österreich will. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Othmarscher Bibelfamilie und das Thema "Homeschooling".



- Warum fliehen sie ausgerechnet nach Österreich?



Österreich gestattet Heimunterricht. Eltern, die ihre Kinder selbst unterrichten wollen, müssen nachweisen, dass ihr Unterricht gleichwertig dem an einer staatlichen Schule ist. Der Antrag kann auch abgelehnt werden. Im September 2005 wurde sieben baptistischen Familien, die aus Paderborn nach Österreich geflohen waren, die Erlaubnis zum Homeschooling verweigert.



- Dürfen sie sich einfach so in Österreich niederlassen?



Paul Jennewein, österreichischer Generalkonsul: "Ja, wenn sie eigene Einkünfte nachweisen."



- Die Familie finanziert sich fast ausschließlich durch Kindergeld (999 Euro für sechs Kinder). Wird das auch in Österreich gezahlt?



Knut Börnsen, Sprecher des Arbeitsamts: "Nein. Wer seinen Wohnort ins Ausland verlegt, verliert den Anspruch aufs Kindergeld."



- Kann ihnen das Sorgerecht auch im Ausland entzogen werden?



Alexander Luckow, Sprecher der Schulbehörde: "Unser Antrag auf Sorgerechtsentzug läuft weiter. Sollte das Gericht dem stattgeben, kann man den Beschluss auch im europäischen Ausland durchsetzen."



- Was, wenn den Eltern die Entscheidung des Familiengerichts nicht zugestellt werden kann?



Alexander Luckow: "Es gibt Mittel, die Familie ausfindig zu machen."



- Warum lässt man die Familie nicht einfach in Ruhe?



Alexander Luckow: " Es ist unsere Rechtspflicht, dafür zu sorgen, dass Schulpflichtverletzer, egal aus welcher Motivation, damit nicht durchkommen."



- Haben die Eltern sich durch die Flucht strafbar gemacht?



Leitender Oberstaatsanwalt Wolfgang Ehlers: "Nein, solange sie das Sorgerecht haben, nicht." Eine Verurteilung wegen Verstoßes gegen das Schulgesetz ist seit kurzem rechtskräftig. Wenn die Eltern die Geldstrafe von 840 Euro bezahlt haben, ist das erledigt.



- Warum schicken sie ihre Kinder nicht zu einer christlichen Bekenntnisschule?



Armin Eckermann, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Vereins "Schulunterricht zu Hause e. V.": "Das Gewissen tickt eben bei manchen anders. Es gibt christliche Eltern, die betrachten eine Bekenntnisschule als nicht ausreichend. Die sagen, dass diese Schulen den staatlichen gleichen, nur dass vor dem Unterricht gebetet wird."



- Wie viele Kinder werden in Deutschland von ihren Eltern unterrichtet?



Die Angaben schwanken zwischen 100 und 400. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Privat unterrichtet werden dürfen aber nur kranke Kinder und Schaustellerkinder.



- Was sind die Gründe der Schulverweigerer?



Armin Eckermann: "Das fängt ja schon in der Grundschule an: Sexualkunde und Esoterik. Die Grundschulbücher sind voll mit Hexen, Zauberern und Teufeln. Dazu esoterische Entspannungsübungen. Das lehnen christliche Eltern ab und kämpfen für ihr Recht auf Erziehung."

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Datum:  29.8.2006
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