Was haben sie diesen Fußball in Hamburg verachtet. Auch wenn es niemand laut sagen wollte. Die Null war das Maß aller Dinge, hinten natürlich. Und vorn? Nicht selten half der liebe Gott. Oder Rafael van der Vaart. So sah er aus, der Fußball unter Huub Stevens, mit dem der HSV im Vorjahr Rang vier der Bundesliga erklomm. Kann alles so schlecht nicht gewesen sein, wird sich Martin Jol wohl gedacht haben. Und lässt nun sogar stevens'scher als Stevens selbst spielen.
Das 2:0 bei Slavia Prag, es sorgte für strahlende Hamburger Gesichter. In einer Saison, in der der HSV auswärts zu einem der gern gesehensten Gäste der Bundesliga mutierte, in der Jol versuchen konnte, was er wollte, scheint nun das passende Rezept gefunden. Niemals ließ der Niederländer beim HSV defensiver spielen als in Prag. Was dabei herauskam, fasste er geradezu jubilierend zusammen: "Defensiv war das die beste Leistung, seit ich hier bin!"
Sein Plan ging auf. Die Abräumer Alex Silva und Collin Benjamin vor der Abwehr, dazu auf den Außen die ebenfalls eher defensiv eingestellten Marcell Jansen und David Jarolim - ein Bollwerk, an dem sich Tschechiens Meister über 90 Minuten die Zähne ausbiss. "Es ging darum, Slavias Stärken zu eliminieren", gab Jol zu. Das war zwar nichts fürs Auge eines Schöngeistes. "Aber in der ersten Hälfte haben wir gut nach vorn gespielt und das Spiel kontrolliert. In der zweiten dann hinten gut gestanden - und das Spiel weiter kontrolliert", lobte Mladen Petric. "So muss man international auftreten", ergänzte Jansen.
Was für Europa gut genug ist, wird für die Bundesliga kaum schlechter sein. Morgen in Köln soll Jols "Huub-Taktik" erneut zum Erfolg führen. Der Trainer, der angetreten war, um Hamburgs Fans mit Offensivfußball zu verwöhnen, hat umgedacht. "Wenn wir zu Hause spielen, ist Spektakel gut", so der 52-Jährige. "Aber auswärts interessiert mich das nicht." Die Null muss stehen, auch in Köln. Mit Fußball, der nach Arbeit riecht. Wer, zum Kuckuck, wird sich daran stören, wenn der HSV in der Erfolgsspur bleibt?