Vor einem Monat berichtete die MOPO über den ersten Hamburger Lidl-Betriebsrat. Dem Konzern passte die Wahl überhaupt nicht. Jetzt kam der Gegenschlag: Dem einzigen Angestellten der rebellischen Filiale am Eidelstedter Weg, der keinen Kündigungsschutz genießt, wurde gekündigt!
"Die Leistung wurde nicht erbracht", so ist der Rauswurf von Necat S. (20) begründet. Für den jungen Mann ein Schock. Bislang waren alle mit ihm zufrieden, vor Kurzem wurde er von Lidl aus der Probezeit übernommen. "Doch plötzlich kam abends der Chef und gab mir die Kündigung. Jetzt hänge ich in der Luft."
Der Zeitpunkt macht misstrauisch: Einen Tag später hätte Necat S. Kündigungsschutz gehabt - weil er dann sechs Monate bei Lidl angestellt gewesen wäre. Die Kündigung habe vor Gericht kaum Bestand. "Es handelt sich dabei offensichtlich um Nachtreten", sagt Anja Keuchel von ver.di. "Er ist der Einzige, an dem sich Lidl vergreifen konnte." Necat S. habe die "Anforderungen nicht erfüllt", sagt dagegen Lidl. Man habe entsprechende Gespräche mit ihm geführt.
Das weist Necat S. zurück. Seine Kollegen versuchen jetzt ihrerseits, Lidl an seiner schwächsten Stelle zu treffen: bei den Kunden. Vor der Filiale in Eimsbüttel sammeln sie Unterschriften. Hunderte Unterstützer haben sie schon: "Lidl soll endlich die Arbeitsbedingungen verbessern", sagt Lehrerin Monika Erbstein (35) aus Eimsbüttel. Ich kaufe hier nur noch wegen der netten Mitarbeiter." Necat S. hofft, dass Lidl doch noch einlenkt. Er mag seinen Job.