Die einst so stolze Fußball-Nation Frankreich liegt in Trümmern. Nach zwei oberpeinlichen WM-Auftritten zerfleischt sich die 'Équipe Tricolore' selbst. Zunächst die unglaubliche Entgleisung von Star-Stürmer Nicolas Anelka, der sich nach seinem Rauswurf mittlerweile wieder in der Heimat befindet. Und gestern verweigerte der Rest des Teams aus Protest die Teilnahme am Training. Rien ne va plus -bei den Franzosen geht gar nichts mehr!
Anelka und der Mega-Skandal dieser WM. In der Halbzeitpause des 0:2 gegen Mexiko soll Chelseas Angreifer Trainer Raymond Domenech wüst beleidigt haben. 'Fick dich in den Arsch, du Hurensohn!', lauteten seine Worte, die Sportzeitung 'L' ÃÉquipe' deckte den Eklat auf. Die logische Konsequenz: Anelka wurde sofort suspendiert.
So weit, so nachvollziehbar. Doch was dann passierte, offenbart die Zerrissenheit der ehemaligen 'Grande Nation'. Laut Bayern-Star Franck RibØry hätten sich alle (!) Spieler für einen Verbleib Anelkas starkgemacht. Anstatt die obszöne Entgleisung des formschwachen Stürmers zu kritisieren, wird Jagd auf den 'Nestbeschmutzer' gemacht. RibØry ('Ich hatte Tränen in den Augen, als Nicolas abreisen musste') sagt: 'Ein Verräter hat einige Sachen ausgeplaudert. Wir werden erleichtert sein, wenn wir wissen, wer es war.' Die Mannschaft reagierte gestern. Anstatt sich auf das letzte Gruppenspiel gegen Südafrika vorzubereiten, verweigerte das Team die Teilnahme am Training. Der Verbandsoffizielle Jean-Louis Valentin erklärte daraufhin seinen Rücktritt.
Er dürfte nicht der Letzte sein. Sogar Staatspräsident Sarkozy meldete sich während eines Russland-Besuchs zu Wort, verurteilte Anelkas Entgleisung aufs Schärfste: 'Das ist inakzeptabel.' Und unterm Strich nur noch peinlich. (ahe)