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N KLUB: Er träumt von einer Welt ohne Müll

Einfach alles wegwerfen, verbrauchen, verschwenden – ganz ohne schlechtes Gewissen. Nur ein Wunschtraum? „Das ist die Zukunft“, sagt der Hamburger Michael Braungart (49). Der Chemiker vom Umweltinstitut EPEA sorgt weltweit für Furore: Nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Hollywood-Größen wie Brad Pitt und Steven Spielberg glauben, dass er die Welt retten kann. Mit einer einfachen Idee.



Michael Braungart will den Müll abschaffen. „Was wir bis jetzt unter Recycling verstehen, ist Alibi-Umweltschutz“, sagt der Forscher.

„Selbst wenn wir Altpapier oder Flaschen zum Container bringen, wird nur ein Teil noch einmal verwendet. Der Rest landet in Verbrennungsanlagen und wird einfach verfeuert.“ Braungarts Gegenkonzept: Alle Produkte müssen so neu erfunden werden, dass sie nach dem Gebrauch ohne Schadstoffe zu Erde werden – oder sich jede einzelne Faser komplett wiederverwerten lässt. „Das würde den Planeten wirklich retten – und wäre die nächste industrielle Revolution.“



Das Verblüffende: Braungarts Öko-Revolte ist bereits im Gange. Mit seinem Team entwickelt er für 400 Großkonzerne Stoffe und Produkte. Wie den Nike-Laufschuh, der sich einfach auf den Kompost werfen lässt. Wie den Bürostuhl, aus dem sich Teile für neue Kühlschränke gewinnen lassen. Oder die Sitzbezüge für den neuen Airbus 380, die man problemlos essen könnte. Kein Produkt lasse sich nicht auch schadstofffrei gestalten, sagt Braungart – „und ganz nebenbei wird die Produktion für die Unternehmen auch noch billiger.“



Braungart nennt das Prinzip „Cradle to Cradle“, von der Wiege bis zur Wiege. Es hat ihn zu einem bekannten Mann gemacht. Erst wurde das niederländische Königshaus auf ihn aufmerksam, mittlerweile hat US-Gouverneur Schwarzenegger Kalifornien zum „Cradle-to-Cradle-Staat“ erklärt. Vor wenigen Wochen feierte eine Doku von Steven Spielberg über das Prinzip Premiere.



Und Deutschland? „Unser Land benutze ich höchstens als abschreckendes Beispiel“, klagt Braungart. Hier wird ihm auch vom Bundesumweltamt vorgeworfen, sein Aufruf zum Konsum sei „gefährlich“. Braungart: „Viele haben noch nicht verstanden, dass es nicht um Verzicht und weniger Verbrauch geht – sondern um bessere Produkte.“



Doch der Chemiker hofft weiter auf ein Umdenken. Deshalb will Braungart heute auch beim Treffen des „N-Klub“ (siehe Info) dabei sein, wenn die Hamburger Prominenz über Nachhaltigkeit und Wege aus der Klimakrise diskutiert. „Fest steht: Wir haben alle technischen Möglichkeiten“, sagt Michael Braungart. „Wir sind nicht zu verschwenderisch, sondern einfach zu dumm.“





Infos zu den zertifizierten Cradle-to-Cradle-Produkten gibt es auf www.epea-hamburg.org

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