So mancher Künstler griff schon nach den Sternen - und scheiterte kläglich. Jetzt wollen fünf Kompositionsstudenten der Hochschule für Musik und Theater die Sonne vom Himmel holen und einbetonieren. Unter dem Motto "Schwankender Raum - Ein futuristisches Spektakel" wagt sich das STUDIO 21 für aktuelle Musik an einen Anti-Klassiker, der inzwischen zum Klassiker geworden ist: Michail Matjuschins futuristische Oper "Sieg über die Sonne" von 1913, in der allerlei absurde Dinge geschehen.
Von der Oper selbst hören wir allerdings nur Text-Fragmente, die von Leopold Hurt, Martin von Frantzius, Andrej Koroliov, Peter Häublein und Arun Gauri mit eigenen Werken zu einer halbszenischen Collage verarbeitet werden. So wird der Geist einer Künstlergeneration wieder lebendig, der Anfang des 20. Jahrhunderts gegen alles Bestehende revoltierte, die Technik verherrlichte und den Menschen zu ihrem gehorsamen Diener erziehen wollte. In der Musik der Futuristen erklangen Motoren, heulende Sirenen, Fabriklärm. Die ersten elektrisch betriebenen Instrumente wurden entwickelt. Wer nach den Wurzeln zeitgenössischer "Geräuschkompositionen" oder des Techno sucht, sollte hier graben.
Die Studierenden haben es getan, nehmen die kreativen Impulse dieser Umbruchsstimmung auf und präsentieren ihren zeitgemäßen Kommentar mit Celli, Piano und Diskklavier. Warum nach den Sternen greifen, wenn die Sonne so nah ist?