Hamburg - Bei der Suche nach dem musikalischen Geheimnis der seit 2000 (dem Jahr des 30-jährigen Jubiläums) wieder aktiven Kraaniche, stößt man unüberhörbar auf die seit den Anfängen der Band ungeschmälert ausgelebte Spielfreude.
Da ist nichts Aufgewärmtes, nichts Abgestandenes, kein Sound der im Schritt kneift - frisch und ideenreich präsentiert sich Kraan auch mit dem jüngsten Wurf «Psychedelic Man», den die Band um Hellmut Hattler gerade auf großer Tour, die jetzt langsam ausklingt, auch live vorgestellt hat.
Wie alle Kraan-Scheiben sollte auch «Psychedelic Man» mit einer gewissen Lautstärke gehört werden, um in den vollen Genuss des Sounds zu kommen. Gleich mit dem Opener stellt die Band alles klar, sie sind wieder da: «Come Back» mit ehrlicher Musik - und nicht nur für einen Gig. Ein Höhenflug für elektrische Gitarre «Silver Buildings», und spätestens bei «Dakkar» taucht man dann vollends ein in das Universum Kraan. Peter Wolbrandt setzt mit der E-Gitarre die Akzente, Hellmut Hattler zupft den sensibelsten Bass der Welt und Jan Fride sorgt mit dem Schlagzeug für den richtigen Rhythmus, zuverlässig begleitet von Ingo Bischof am Keyboard.
Kraan schwelgen seither in den Sphären musikalischer Philosophiererei; das alles ist allerdings nicht abgehoben, aber eben auch keine tönende Schonkost. Die Magie des Sounds erschließt sich beim Hören, so wie bei «Luft und Liebe» - der Titel umschreibt die Atmosphäre recht gut. Auch so ein kraandileskes Kleinod ist der Titeltrack, das raffiniert pulsierende «Psychedelic Man».
Zwischen ansprechenden und anspruchsvollen Kunstwerken regen besinnlich-beschauliche Stücke wie der Lounge-Titel «Inner Cycle» und das ruhig gleitende «Colourcave» zur mentalen Regeneration an. Wiederum brachial weckt «Disbanned Shake» Assoziationen an Jimi Hendrix, eine echte Überraschung: mächtig prächtig! Dann «alles gute», fast so etwas wie der letzte die Zeiten überdauernde Gruß der NDW zu. Als Rausschmeißer kommt «Feierabend» - daran ist echte Programmmusik zu erkennen.
Bei allen benutzten technischen Hilfen trägt die Musik von Kraan das Prädikat Handmade, bietet rhythmische Feinheiten und glänzt mit raffinierten Grooves. Die Mischung aus entspannter Aura und die für die Band typische Dynamik machen den besonderen Zauber der Musik von Kraan aus, die bei allen Einflüssen zeitlos geblieben ist - ein Kriterium guter Musik!
09.05.Stuttgart, Röhre10.05.Ulm, Roxy30.06.Worms, Jazzfestivel (tbc)21.09.Fulda, Alte Piesel