Hamburg - Während Robbie Williams nach Jahren des Triumphes immer mehr in die Bedeutungslosigkeit abzudriften scheint und mit seinen Dämonen kämpft, sind seine Ex-Bandkumpels von Take That so präsent wie nie.
Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange und Mark Owen, die sich im Jahr 2006 wieder zusammengefunden hatten, gelang ein eindrucksvolles Comeback, das bei der Verleihung der Brit Awards zuletzt mit zwei Trophäen belohnt wurde.
Sie erhielten einen Preis für die beste britische Single («Shine») und wurden als beste britische Live-Band ausgezeichnet. Zu Recht, denn die Show der älter gewordenen Boygroup-Mitglieder, bei denen sich das Leben inzwischen mehr oder weniger ins Gesicht eingefräst hat, ist perfekt, fulminant, gigantisch und dennoch warmherzig. Sie trieb die zahlreichen Fans - vorwiegend weiblich - in der Londoner O2-Arena, wo Take That an acht Abenden in Folge im Rahmen der «Beautiful World»-Tour (2007) auftraten, zur Raserei - dokumentiert auf der DVD «Beautiful World Live».
Meist reicht ein kurzer erster Ton, und schon ertönt ein allgemeiner Begeisterungsschrei, weil alle wissen: Jetzt kommt «Back For Good», «Relight My Fire» oder «Never Forget». Das textsichere Publikum singt ganze Passagen allein. Dazu Tänzer, Monumentalkulissen, Lichtspiele und ein für Männer beachtliches Umkleidetempo. Zwischendurch laufen die Vier auf einer schnell ausgefahrenen Brücke über die Köpfe der Zuschauer hinweg zu einer anderen Bühne und machen von dort weiter.
Mit dabei war nach einer Zwangspause auch wieder der 39-jährige Howard Donald, der sich bei einem Auftritt in Mailand bei einer komplizierten Tanzbewegung mit Salto rückwärts und Spagat verletzt hatte und mit kollabierter Lunge schließlich ins Krankenhaus gebracht werden musste. Darum kreist in Teilen auch das Tour-Tagebuch, das auf einer zweiten Disc ausgiebig die «Beautiful World»-Tour dokumentiert. Howards nackter Po, der bei seinem Kurzauftritt in Hamburg ins Publikum blitzte, wurde dabei für die Nachwelt festgehalten.
Zu dritt schlugen sich Take That auch ganz gut, zu fünft wird es sie wohl nie wieder geben. Eine Wiedervereinigung mit Ex-Mitglied Robbie Williams ist vom Tisch. «Ich denke, er wird nicht mehr in der Band sein, es gibt keinen Platz mehr für ihn», sagte Gary Barlow Ende letzten Jahres der britischen Obdachlosenzeitung «Big Issue». Bandmitglied Mark Owen fügte hinzu, die Gruppe habe den Popstar einst gefragt, ob er bei dem Comeback dabei sein wolle. «Er hatte aber andere Verpflichtungen - er musste an diesem Tag seinen Hund spazieren führen.»