Die Story: Rom, in den 60er Jahren: Unmittelbar vor den Dreharbeiten zu seinem neuen Film "Italia" steckt Starregisseur Guido Contini in einer tiefen Sinn- und Schaffenskrise - er hat noch keine einzige Drehbuchzeile verfasst. Auf der Suche nach Ruhe und Inspiration flüchtet er sich erst in Erinnerungen und dann aufs Land, doch Produzenten, Filmteam, Klatschjournalisten, Gattin und Geliebte folgen ihm - und sorgen für heilloses Chaos.
Die Schauspieler, darunter sechs Oscar-Preisträger, sind der größte Trumpf des Films. Dabei bleibt ausgerechnet Daniel Day-Lewis verblüffend blass - sein Guido ist ein erbärmlich selbstmitleidiger, müder Weiberheld, der allenfalls passabel singt. Dafür glänzen die Damen umso mehr: etwa Penélope Cruz (35) mit geballtem Körpereinsatz als passionierte Geliebte, Kate Hudson als schillernde Modejournalistin, Nicole Kidman als sanfte Muse und Sophia Loren (75) als selige Mamma. Besonders präsent: Judi Dench als kluge Kostümbildnerin und treue Vertraute. Besonders stimmgewaltig: Stacy Ferguson als verführerische Dorfhure. Besonders berührend: Marion Cotillard als stolze, verletzliche, betrogene Ehefrau - sie ist das emotionale Zentrum der Geschichte.
Der Regisseur: Es war eine verrückte Idee, 1982 aus Federico Fellinis vielschichtigem 60er-Jahre-Meisterwerk "Achteinhalb" ein Musical zu machen. Nun hat "Chicago"-Regisseur Rob Marshall den Broadway-Erfolg verfilmt - und so kehrt der Stoff im Wege des effektiven Kultur-Recyclings wieder auf die Leinwand zurück. Von Fellini blieb allerdings kaum mehr etwas übrig: "Nine" ist nichts weiter als eine glitzernde, freizügige Nummernrevue - mal sexy, mal sexistisch. Nach der Devise "Mehr ist mehr" stürzt uns Marshall in einen opulenten Rausch der Sinne, bei dem bisweilen die Gefahr der Reizwäsche-Überflutung droht. Doch von den sagenhaft ausgeleuchteten Bildern, der prachtvollen Ausstattung und der rasanten Choreografie lässt man sich gern überwältigen.