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Paris erhält Museum für Eingeborenen-Kunst

Paris - Noch stehen schwere Bagger und hohe Lastenkräne in dem riesigen «Garten-Wald», in dessen Mitte das lange erwartete, von Frankreichs Staatschef Jacques Chirac initiierte Museum für Stammeskunst thront.

Es vereint eine der bedeutendsten Sammlungen für Stammeskunst aus Afrika, der Ureinwohner Amerikas, Ozeaniens sowie Asiens. Chirac will sich damit eine Art kulturpolitisches Denkmal setzen, ähnlich wie bereits seine Vorgänger Georges Pompidou mit dem Centre Pompidou und François Mitterrand mit der Pariser Nationalbibliothek.

Mit dem rund 230 Millionen Euro teuren Prestigebau will die Grande Nation und ehemalige Kolonialmacht nicht-europäischen, früher als «primitiv» abgewerteten Kulturen späten Respekt zollen. Chirac will das Museum am 20. Juni eröffnen, drei Tage später wird das 39 000 Quadratmeter große, von Jean Nouvel entworfene Musée du quai Branly der Öffentlichkeit übergeben.

Jetzt, knapp drei Monate vorher, muss vor allem im Innern noch Hand angelegt werden. Der Museumsneubau ist ansonsten weitgehend fertig: ein 200 Meter langes Gebäude, das auf 26 Pfeilern steht und sich über einen 18 000 Quadratmeter großen Garten mit Wasserbecken und 160 Bäumen erhebt. Ein Museum, dessen Sammlungen 300 000 Werke zählen und das sich in den Tiefen eines bis zu 15 Meter hohen Waldes auflösen soll.

Das Gebäude liegt nur wenige Meter vom Eiffelturm entfernt und unmittelbar am Seine-Ufer, am quai-Branly, daher auch sein etwas ungewöhnlicher Name. Es fällt sofort ins Auge, gleich ob man vom Norden von der Uferstraße Branly kommt oder vom Süden, von der rue de l'Université.

Die Nordfassade erstaunt durch ihre riesige Glaspalisade, die den Garten und das Museum von der unmittelbar angrenzenden Straße trennt, sowie durch ihre Pflanzenmauer, die Teil des Verwaltungsgebäudes ist. Mehr als 15 000 Pflanzen klettern auf einer Polyamid-Filzunterlage an der Außenwand entlang - ein Werk des Botanikers Patrick Blanc, das im Pariser Betondschungel faszinierend und fremd zugleich wirkt.

Eine weitere Besonderheit der Nordseite sind die zahlreichen riesigen und unterschiedlich großen bunten Kästen, die aus der Fassade ragen und auf die Hütten der zahlreichen Stämme Afrikas und Ozeaniens hinweisen, deren Kunst im dem Museum gezeigt werden soll. Originell wirkt auch das gitterartige grau-rote Lichtschutzsystem, eine Idee, die Jean Nouvel in Form von lichtempfindlichen Flächen auch schon zur Dekoration des Pariser Institut du Monde Arabe angewandt hat.

Auf der Südfassade, auf deren Seite der Haupteingang liegt, dringt aus der grau-dunkelrot metalligen Struktur ein weißes Halbrund nach außen: die 2 000 Quadratmeter große Galerie jardin, in der vier Mal jährlich große Ausstellungen stattfinden sollen. Die rund 4 000 Werke der ständigen Ausstellung sind auf beiden Seiten durch eine Art Schutzfilm auf den Fensterflächen vor einfallendem Licht geschützt. Dadurch wird 90 Prozent des Lichts gefiltert. Im Innern des Museums bewegt sich der Besucher so in einem angenehmen Halbdunkel.

Über eine 180 Meter lange Rampe gelangt der Besucher auf das Ausstellungsstockwerk. Die riesige weiße Rampe windet sich um einen Glasturm, in dem ein Teil der 8 000 Stücke umfassenden Instrumentensammlung zu sehen sein wird. Aus dem 24 Meter hohen Turm werden die Klänge der verschiedenen Instrumente der Völker Afrikas und Ozeaniens erklingen.

Der 18 000 Quadratmeter große «Garten-Wald» wurde von dem renommierten Landschaftsarchitekten Gilles Clément entworfen. Das Gelände umgibt das ganze Museum, das nicht höher als 21 Meter ist und sich harmonisch in die Fassaden der benachbarten klassischen Bürgerhäuser integriert.

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Datum:  4.4.2006
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Thomas Hirschbiegel

Aufschriften auf Firmenwagen sind immer wieder ein ergötzliches Thema. Jetzt stand ich am Eimsbütteler Markt hinter einem Transporter, auf dem stand: „Vor Ihnen fahren die Maler mit Freude am Beruf.“