MORD AM JUNGFERNSTIEG
Warum stoppte keiner den Messer-Mörder?
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Fünf Tage nach dem Messer-Mord an Mel D. (19) steht die Frage im Mittelpunkt: Warum wurde der 16 Jahre alte Täter Elias A. nicht gestoppt? Warum schafft es dieser Staat mit all seinen Polizisten, Staatsanwälten, Richtern, Gewaltforschern und einem Heer an Sozialarbeiten nicht, einen Teenager von einem Mord abzuhalten?
Egal, wen man fragt: Es herrscht die große Hilflosigkeit. 15 Einträge stehen in der Polizeiakte von Elias A., der die Tat bereits gestanden hat. Seit Jahren ist er als Intensivtäter bekannt. Als Zehnjähriger fiel der Hauptschulabsolvent zum ersten Mal kriminell auf. Sechs Jahre lang konnte er nahezu unbehelligt wüten. Das volle Programm: gefährliche Körperverletzung, Raub, Diebstahl, Hehlerei, Sachbeschädigung, Beleidigung - und seit dem Wochenende ein Tötungsdelikt. Wie konnte es dazu kommen?
Das will der Senat in den kommenden Tagen erläutern, das Thema kommt auf die Tagesordnung mehrerer Parlamentsausschüsse. Fakt ist aber schon jetzt: Elias A. beschäftigte ein Heer von Experten. Die Sozialbehörde schickte ihre Familienhelfer. Polizisten fassten ihn mehrfach, Staatsanwälte klagten ihn an. Richter kümmerten sich um ihn - und ließen ihn immer wieder gehen. Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers: "Bei vielen Taten war er noch ein Kind, konnte nicht verurteilt werden. Bei späteren Taten konnte die Tat meist nicht nachgewiesen werden."
Zuletzt wurde Elias A. im September angezeigt: wegen Erpressung. Bis heute kam es nicht zur Anklage. Dabei versprechen Experten stets: Die Strafe muss sofort folgen. Hätte hier schneller gehandelt werden können, hätte an dieser Stelle der Tod von Mel D. verhindert werden können? Vielleicht, aber die Realität ist komplex. Das Erpressungsverfahren läuft gegen fünf Täter, alle brauchten Pflichtverteidiger, Fristen mussten eingehalten werden, es dauerte. In den kommenden Tagen sollte ein Verhandlungstermin festgelegt werden. Zu spät.
Schuld an dem Drama will deshalb niemand sein. Es herrscht allgemeines Achselzucken.
Elias A. hat sich eben nicht so verhalten, wie es in den Gesetzestexten und Dienstanweisungen vorgesehen ist. Die Videoüberwachung hat ihn nicht interessiert - obwohl klar war, dass er sofort gefasst wird. Die Richter haben ihm nicht imponiert, die Polizisten hat er ignoriert. Seinem Lehrer brach er den Kiefer.
Nachbarn beschreiben ihn als aufbrausend und aggressiv. "Ich hatte immer ein beklemmendes Gefühl, wenn ich ihm im Treppenhaus begegnet bin. Er hat so etwas Düsteres an sich", sagt einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden will.
Sind Typen wie Elias A. vielleicht einfach nicht zu stoppen? Und wie viele von ihnen laufen dann auf unseren Straßen herum? Achim Katz ist seit fast 30 Jahren Jugendrichter. Er sagt: "Ich kenne die Akte des 16-Jährigen nicht im Detail. Dennoch kann ich sagen, dass es in Hamburg etliche solcher jungen Männer mit einer ähnlichen Vorgeschichte gibt, die aber trotzdem niemanden umbringen. Man kann in Menschen nicht hineingucken. Wir können nicht vorhersagen, ob ein Mensch eines Tages eine solch schlimme Tat begehen wird."
Die bisherigen Straftaten von Elias A.
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Die bisherigen Straftaten von Elias A.
Mai 2008: Körperverletzung vor dem Haus der Jugend "Stintfang" (Neustadt).
März 2009: Elias verprügelt einen Lehrer. Fünf Monate später wird er zu fünf Tagen "Arbeitsleistung" verurteilt.
Juni 2009: Gefährliche Körperverletzung vor einem Eiscafé (Neustadt).
August 2009: Versuchte gefährliche Körperverletzung und versuchte räuberische Erpressung.
August 2009: Schwerer Diebstahl.
Oktober 2009: Er soll den Mitarbeiter eines Penny-Marktes, der ihn zurechtgewiesen hatte, verprügelt haben.
November 2009: Hausfriedensbruch.
Mai 2004: Elias (damals zehn) soll in der Nähe seines Wohnorts seine erste Körperverletzung begangen haben.
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Hier nehmen sie die Verdächtigen fest
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Hier nehmen sie die Verdächtigen fest
Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
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Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
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Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
Foto: Marius Röer
Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
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Auch Sebastian S. (17) soll an der Tat beteiligt gewesen sein. Ein Beamter bringt ihn zur Vernehmung.
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Der Intensivtäter Elias A. (16) wird in einem VW Passat ins Polizeipräsidium gefahren. Er soll Mel D. (19) im Bahnhof Jungfernstieg mit einem Messer getötet haben.
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Umfrage - haben Sie Angst in S- und U-Bahn?
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Konstantin Becker (26), Referendar aus Ottensen: "Das Thema Sicherheit in der U-Bahn ist total aufgebauscht. Passieren kann überall was, vor allem auf dem Kiez. Ich hab noch nie etwas Unangenehmes erlebt und auch keine Angst."
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Anja Düsing (25), Altenpflegerin aus Altona: "Es ist schon krass, dass so etwas passiert. Aber meistens sind das Vorfälle unter Jugendlichen einer bestimmten Altersgruppe. Das hat mit mir nichts zu tun, und daher habe ich auch keine Angst."
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Tarek Ibn Lahoel (40), Logistiker aus Langenhorn: "Der Vorfall war ein Einzelfall. Ich habe keine Angst in der Bahn. Höchstens wenn ich nachts fahre, allein im Wagen sitze und eine Jugendgang einsteigt. Dann fühl ich mich schon unwohl."
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Eva Schrade (19), Umweltaktivistin aus Farmsen: "Ich versuche in der Bahn Konflikte zu vermeiden und würde nie jemanden fragen, ob er die Musik leiser stellen oder Platz machen kann. Wenn Gangs einsteigen, wechsel ich den Waggon."
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Lothar Kunze (73), Rentner aus Eimsbüttel:
"Ich wohne normal in St. Petersburg und bin also einiges gewohnt. Passieren kann einem überall etwas. Neulich bin ich beim Milch-Holen beklaut worden. Plötzlich war mein Portemonnaie weg."
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Babette Börner (17), Schülerin aus Altona: "Ich fühl mich schon immer unwohl in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ich guck immer erst, wer noch so im Waggon ist, und setz mich eher in die Nähe von Frauen oder Leuten mit kleinen Kindern."
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Trauer um 19-Jährigen
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Auch die Pressemitteilung der Polizei wurde aufgehängt. Sie enthält eine grobe Beschreibung der Täter.
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Mel D. wurde im Bahnhof Jungfernstieg erstochen.
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Mandy H., eine Freundin und Nachbarin von Mel D. (o.), schrieb diesen Brief und hängte ihn im Bahnhof Jungfernstieg auf.
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Freunde und Bekannte legten Blumen und Kränze am Tatort nieder.
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19-Jähriger am Jungfernstieg tödlich verletzt
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19-Jähriger am Jungfernstieg tödlich verletzt
Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Die Polizei sichert den Tatort ab.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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Das Opfer liegt auf der Bahre.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Der junge Mann wird über die Rolltreppe nach oben transportiert.
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Die Notärzte und Sanitäter bringen ihn in den Rettungswagen.
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Mehrere Notartzwagen stehen an der S-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg.
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Mehrere Notartzwagen stehen an der S-Bahn-Haltestelle Jungfernstieg.
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Der Tatort ist weiträumig abgesperrt.
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Die Ermittler machen sich an die Arbeit, sichern Spuren, die die Täter hinterlassen haben.
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Die Spurensicherung prüft jeden Winkel genau.
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Notärzte kämpfen um das Leben des jungen Mannes.
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