Wenn alte Herren ihre Arbeit tun, ist man hinterher blind und taub – und glücklich. Zumindest, wenn es sich bei ihnen um die Mitglieder der Gruppe Kiss handelt. Schon seit 35 Jahren sind Paul Stanley (56) und Gene Simmons Rock’ n’Roller von Beruf. In anderen Branchen wären sie ein Fall für den Vorruhestand. Aber dass sie es noch mächtig krachen lassen können, zeigten sie gestern Abend in der Color Line Arena.
Grelles Licht scheint ins Publikum, irgendetwas knallt ohrenbetäubend – um 20.50 Uhr schweben die vier Kiss-Mannen von der Decke hinab auf die Bühne. Die schwarz-weiße Schminke im Gesicht ist akkurat, die Leggins sitzen eng, das größtenteils männliche Publikum tobt. Kiss sind da!
Ein bisschen sehen die vier Amerikaner so aus, als wären sie das Ergebnis einer Kreuzung von Batman und den Figuren aus Starlight Express. Auch im Publikum sind weißbemalte Gesichter mit schwarzem Stern über dem Auge zu sehen.
Die Musik? Nebensache! Wer zu Kiss geht, will vor allem eines: Eine irre Show. Und die gibt es. Funken sprühen aus Gitarren, meterhohe Flammenfontainen schießen in die Höhe, Explosionen und krachende Bässe machen einen Höllenlärm. Insgesamt vier Leinwände sorgten dafür, dass auch der letzte Zuschauer in der gut gefüllten Halle die überdimensionale Zunge von Bassist Gene Simmons nicht übersehen konnte.
Ja, die berühmte Zunge. Er ließ sein Schmeckorgan lustvoll kreisen und zucken, manchmal spuckte er mit ihr auch (Kunst-) Blut ins Publikum. Dann die Flüge bis unter die Hallendecke – Respekt. Nach etwa zwei Stunden ist die Show zu Ende. Es war laut, es war grell, es war heiß – die vier alten Herren haben ihren Job verdammt gut gemacht.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?