Die heute so verklärten und auf Themenpartys abgefeierten 80er: Waren sie nicht auch Helmut Kohl, Ronald Reagan, Maggie Thatcher, Kalter Krieg, feister Synthie-Pop, Leggings, Stirnband, Vokuhila und andere furchtbare Fön-Frisuren? Aber es gab Lichtblicke wie Heaven 17, die in Deutschland die Massen nicht erreichten. Schlau, wie die Sänger und Keyboarder Martyn Ware, Ian Craig Marsh und Glenn Gregory damals waren, nannten sie sich nach einer fiktiven Pop-Gruppe aus dem Kultfilm "Uhrwerk Orange".
Der Autor dieser Zeilen hat sie geliebt vom ersten Moment an, legte ihre großen Hits "Geisha Boys And Temple Girls", "Let Me Go" oder "Temptation" als DJ in einer nicht mehr existierenden Disco in Nordfriesland auf. Immer gab es dafür Ärger mit den Punks, Hippies und Rockern, die den großen und intellektuellen Pop-Entwurf dieser grandiosen Gruppe aus Sheffield einfach ignorierten.
Dabei hätten Ware und Marsh auch den einfacheren Weg gehen können, aber sie verließen The Human League nach deren radikalem Übergang von Elektro-Avantgarde zum Mainstream und gründeten Heaven 17 mit dem Anspruch, Pop und Politik zu vereinen. Gleich die erste Single "(We Don't Need This) Fascist Groove Thang" landete auf dem Index der BBC, machte die Band aber in England zu Lieblingen der Linken. Der Track eröffnet eines der bedeutendsten Alben der 80er: "Penthouse And Pavement".
Dem Debüt folgte 1983 noch das wunderbare "The Luxury Gap". Weil der Rest bis zur Auflösung 1988 musikalisch überflüssig und kommerziell erfolglos blieb, kommen sie nun mit ihren frühen Songs und leider ohne ihr Gründungsmitglied Ian Craig Marsh auf Tour. Erstmals spielen die wiedervereinten Briten neben ihren alten Hits ihr Debütalbum "Penthouse And Pavement" mit seinem Mix aus Kraftwerk-Einflüssen, New Wave, Elektro-Pop und viel Soul am Stück, womit selbst Altsemester zu einem Ersterlebnis kommen.
Heidi, Hans und Franz haben sich von Seal getrennt. Dabei hat das penetranteste aller Promi-Paare doch gefühlt so oft geheiratet wie Lothar Matthäus. Da fragt sich die geneigte Leserin: Sind diese alljährlichen Hochzeitswiederholungen am Strand eigentlich mit einer einzigen Scheidung zu erledigen?