Er ist 81 Jahre alt, aber das sieht man ihm nicht an. Ein imposanter Mann. Alfred Neven DuMont, der neue Verleger der HAMBURGER MORGENPOST, ist eine der letzten großen Persönlichkeiten der deutschen Medienbranche. Gestern stellte er sich in Berlin, dem Sitz der Zeitungsgruppe, zu der unter anderem die "Berliner Zeitung", der "Berliner Kurier" und eben auch die MOPO gehören, den Redaktionen vor.
Er hat seine zwei Vorstandskollegen und Juniorpartner mitgebracht: Sohn Konstantin (39) und den Neffen Christian DuMont Schütte (51). Mit im Boot sitzt auch Verleger Helmut Heinen (53).
Wer ist dieser Alfred Neven DuMont, der das viertgrößte Zeitungshaus (Umsatz: 626 Millionen Euro) führt?
Über Geld mag er nicht reden. Jedenfalls nicht, wenn es um Zeitungen geht. Das unterscheidet ihn von "Heuschrecken", die mit Dividendenrechnungen in Redaktionsräume einfallen. Statt vom Gewinn spricht er von Inhalten, die die Menschen draußen wieder mitreißen sollen. Dieser Mann hat nach 56 Zeitungsjahren immer noch nicht genug. Während andere den Niedergang der Printmedien bejammern, sucht er nach neuen Zielen für die gute, alte Zeitung. Und so verwundert der Satz nicht, der sein Lebensmotto ist: "Ich liebe Zeitung."
Die Zeitung, an die er dabei denkt, hat Charakter, Profil. Er stellt sich vor, was in der heutigen politischen Landschaft selten geworden ist: Etwas, woran sich Menschen festhalten können, was ihnen Orientierung gibt, Vorbild ist. "Traut euch!", ruft er den Journalisten zu. Er findet, unsere Zeitungen könnten ein wenig mutiger sein.
Im Sommer 2006 dachte der Sohn des Zeitungsverlegers Kurt Neven DuMont, er könne doch nun ein wenig kürzertreten. Daraus wurde nichts. Er blieb verlegerisch aktiv, zwischendurch schrieb er ein Buch, einen Roman.
Der Mann hat viele Ideen, viele Gaben. Eine wurde ihm nicht mit ins Leben gegeben: Er kann sich nicht zurücklehnen. Und er hat sich wohl damit abgefunden: "Es heißt immer, man wird im Alter langsamer. Ich selbst erlebe, dass ich im Kopf immer schneller werde, irgendwas ist da falsch eingestellt." Und so wird er, auch wenn Sohn und Neffe in der Zeitungslandschaft forsch nach vorn streben, präsent bleiben.
Worte setzt er wie ein Maler Pinselstriche. Als hätte er die Leichtigkeit eines Wassily Kandinsky in sich aufgesogen, den er verehrt, dessen Werke er sammelt.
In früher Jugend hatte sich der Sprachkünstler DuMont auch als Schauspieler versucht. Politik hingegen mied er: "Mein Kopf hätte das geschafft, aber nicht mein Nervenkostüm." Er passte auch so ganz und gar nicht in die einstige Bonner Elite - "alles Ackergäule: stämmige Körper mit dicken Schenkeln und den entsprechenden Hinterteilen". Die DuMonts sind schlank, zartgliedrig, fast filigran. Vornehme Zurückhaltung? Mitnichten. DuMont stritt gern mit Willy Brandt. Nicht kleinlicher Zank, sondern Spaß an der Diskussion, am Austausch.
Er ist ein leidenschaftlicher Taucher, ein Hobby, das seine Frau Hedwig (geborene Prinzessin von Auersperg) teilt. Wenn er in die Tiefe hinuntergleitet, begegnet ihm eine andere wunderbare Welt, fühlt er Freiheit ebenso wie Ewigkeit.
In gewisser Weise ist die Verlegerlegende ein vom Leben Getriebener. Er will ein neues Leben führen, nicht im alten verfangen sein. Dazu hat er sich neue Zeitungen gekauft. Eine Spielwiese, die er zeitlebens nicht mehr verlassen wird.
Irgendwie ist das logisch für einen, der sagt, er liebe Zeitung.
Und der fragt: "Und wie kann man eine Liebe im Alter mit seiner Garderobe oder mit seiner Krawatte abgeben?"