Ein uneheliches Kind zur Welt bringen? Lieber will das Dienstmädchen Pauline sterben. Doch da weiß die patente, kinderlose Kollegin Rat: Sie kauft der Verzweifelten das Neugeborene einfach ab. Verglichen mit dem Elend von Kindern, wie es heutzutage Schlagzeilen macht, wirkt Gerhart Hauptmanns Drama aus dem Jahr 1911 richtig menschlich: "Die Ratten" wurden bei der Premiere im Monsun Theater begeistert aufgenommen.
Dass seine "Berliner Tragikomödie" von der Realität so weit in den Schatten gestellt wird, hätte sich Hauptmann sicher nicht träumen lassen. Bei ihm sind Mütter verzweifelt, unerfahren oder menschliche Wracks - dennoch ist ihr Handeln nachvollziehbar. Der Hamburger Regisseurin Heike Skiba gelingt mit überzeugenden Spielern eine dichte Inszenierung, die im nahezu leeren Raum mit wenigen Requisiten auskommt. So kann die Kälte zwischen den Menschen merklich an den Wänden hochkriechen. Dabei ist die Herzlosigkeit unter den Hochdeutsch sprechenden Bürgern genauso verbreitet wie in der berlinernden Arbeiterfamilie. Zweieinhalb Stunden sehenswertes Theater.
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