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MOLOTOW

Geburtstag eines Kult-Kellers

Das Molotow am Spielbudenplatz kann fürs Erste weitermachen! "Wir haben eine Möglichkeit gefunden weiterzuarbeiten - zumindest im kommenden Jahr", sagt Andi Schmidt (45), Inhaber des Live-Musik-Clubs. Ein Mäzen hat dem legendären Konzertkeller ein 19. Lebensjahr geschenkt. "Wer das war, darf ich nicht sagen", so Andi. "Aber die Color Line GmbH hat uns 1000 Euro gespendet - sehr nett. Das Jahr gibt uns Luft, die Existenz des Clubs über 2009 hinaus zu sichern." Im Juli hatte der Inhaber den Mietvertrag gekündigt. Die Kosten von Personal, GEMA und Künstlergagen konnte er nicht mehr wuppen (MOPO berichtete).



Der 18. Geburtstag des Kult-Clubs stand daher auch unter dem dunklen Stern: "I hope I die before I get old" - einem Zitat aus Pete Townshends Song "My Generation". Jetzt dürfte die Geburtstagssause am Sonnabend (23 Uhr, 4 Euro) mit allen Motorbooty-DJs doch etwas fröhlicher ausfallen: "Wir können jetzt etwas unbeschwerter feiern", so der Betreiber. Doch ein wenig bleiben Zuckerguss und Birthday-Bowle doch im Hals stecken. Normalerweise fängt mit 18 das Leben erst richtig an: Abi in der Tasche, Fahr-Lappen eingetütet, und ab geht es in die weite Welt. Ob das Molotow nach dem 19. Lebenjahr noch einmal die Kerzen ausblasen darf, ist unklar. "Der Wiener hat zum Tod ein sehr freundschaftliches Verhältnis", sagt Andi, der mit sechs Jahren aus der Sachertorten-Stadt nach Hamburg zog. Aber mit diesem Tod wird er nicht Freund. "Ein Jahr mehr ist natürlich gut", sagt der Betreiber, der mit langen Koteletten und Totenkopfring ins Molotow gehört wie die geklebten Ledersofas, "aber ich bin natürlich auf längerfristige Förderung aus. Wir müssen den Laden erhalten. Sonst verliert Hamburg den letzten inhabergeführten Programmclub."



Besonders ärgert ihn, dass die Kulturbehörde nicht einspringt. "An die werde ich mich noch einmal wenden", so Andi. "Ich sehe die Stadt weiter in der Verantwortung. Genauso wie sie die Oper oder das Theater fördert, muss sich die Stadt eben auch überlegen, ob sie eine Konzertszene erhalten will - sonst besteht St. Pauli nur noch aus Supermärkten und Systemgastronomie."



Das sieht Kultursenatorin Karin von Welck anders, die zur "Tageszeitung" sagte: " Zu einer lebendigen Musikszene gehört auch das Leben und Sterben von Clubs." Solche Worte lassen Andi nur mit dem Kopf schütteln: "Man kann doch nicht Discos, in denen ein Computer, bestenfalls ein DJ, die Leute unterhalten soll, mit einem Live-Musik-Club vergleichen." Schmidt sieht sich in seinem Laden um: die niedrigen Decken, Sixties-Sessel und klebrige Tresen - einst eine Tiefgarage und seit 18 Jahren das Wohnzimmer für Indie-Bands. 1997 baute er die Meanie Bar obendrüber aus. "Ich betreibe hier Kulturarbeit mit mindestens 15 Konzerten pro Monat. Bei uns spielen Nachwuchsbands, die später die Titelseiten von Zeitungen zieren."



Die Toten Hosen, Tomte und Mando Diao sind so Beispiele. Wir sind Helden brachten vor dem ersten Auftritt im Molotow persönlich ihr Demo-Tape vorbei, die Killers und die White Stripes spielten vor knapp 30 Leuten, weil sie noch keiner kannte. "Wenn es kleine Clubs wie unseren nicht mehr gibt, ist auch die Nachwuchsförderung dahin," sagt Andi. Der Kult-Keller fasst 350 Gäste, legendär ist der Acht-Quadratmeter-Backstage-Raum: "War mal eine Besenkammer", so Andi.



Eine Tiefgarage, die Musikgeschichte schrieb und international bekannt ist. "Davon profitiert auch die Stadt, denn wir ziehen Leute aus aller Welt an."



"Praxisfremd" nennt Andi die Behörden. Wie kämen die sonst auf die Idee von DJ-Führerscheinen? Ihre Theorie: Weil DJs die Musik oft auf mehr als 100 Dezibel aufdrehten, höre die Jugend heute schlechter. "Der wahre Grund sind Kopfhörer für Playstation und MP3-Spiele" meint Andi. "Selbst die Oper überschreitet 100 Dezibel." Dennoch soll Gesetz werden: Nur noch Plattendreher mit Lizenz dürfen spielen. "Versuch das mal einem aus New York gebuchten DJ zu erklären", lacht Andi, der selbst auf seinen Flower-Power-Space-Rock-Partys auflegt. Aus Protest verteilen die Motorbooty-Plattenknipser auf der Geburtstagssause am Sonnabend DJ-Führerscheine an die Gäste.

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Datum:  28.8.2008
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