Der normale Fahrgast merkt davon kaum etwas: Aber die Taxifahrer am Flughafen kochen vor Wut. Sogar Schlägereien zwischen den Kutschern hat es schon gegeben. Der Grund: Einige Fahrer halten sich nicht an die Regeln, fangen die Reisenden in der Ankunftshalle ab und sparen sich so Wartezeiten von nicht selten ein, zwei oder drei Stunden. Streng verboten ist das, lohnt sich aber: doppelter Umsatz. Die Dummen sind auch die Fahrgäste: Ihnen werden falsche Quittungen untergemogelt.
Ankunftsbereich im Terminal 2, 9 Uhr. Ein Flieger nach dem anderen landet. Was die Trickser nicht ahnen: Heute sind sie es, die ausgetrickst werden. Denn der Mann im schwarzen Jacket und dem Trolley ist kein gewöhnlicher Reisender.
Gleich beim ersten Versuch klappt's. In der Drehtür wird Mister X angesprochen: "Brauchen Sie ein Taxi?", fragt der Mann, und ohne die Antwort abzuwarten, erzählt er, der Fahrgast, der ihn vorbestellt habe, sei nicht gekommen. Eine Lüge. Dann führt er Mister X auf das Parkdeck, wo er sein Taxi zwischen den gewöhnlichen Autos abgestellt hat. Am Ziel verlangt Mister X eine Quittung, aber was er bekommt, ist lediglich ein Quittungsdurchschlag. Damit wird man beim Finanzamt nichts.
Noch vier Mal spielt die MOPO dasselbe Spiel: Immer sind es andere Fahrer, alle erzählen die gleiche Legende von der geplatzten Vorbestellung. Zur gleichen Zeit warten auf dem sogenannten Taxispeicher, einem Platz an der Flughafenstraße, mehrere hundert ehrliche Kollegen darauf, zum Taxistand durchgewinkt zu werden. "Das ist eine Riesen-Gemeinheit", sagt einer der Fahrer. "Insgesamt sind es zwölf Kollegen, die so arbeiten. Die zahlen nicht die 28 Euro Flughafengebühr wie wir. Während ich auf 120 Euro Umsatz pro Tag komme, machen die 300."
Das wird sich jetzt wohl ändern. Die Lockvogel-Einsätze sind mit versteckter Kamera dokumentiert. Einer der Fahrgast-Diebe ist schon auf besondere Weise bestraft worden. Als Mister X ihn zu einer Adresse in Winterhude fahren lässt, ahnt er nicht, dass dort schon jemand auf ihn wartet: drei stinksaure Kollegen und Martin Berndt, geschäftsführender Vorstand des Hamburger Taxenverbandes (HTV). Der "Falschspieler" wird verbal zur Schnecke gemacht.
Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) weist Vorwürfe, sie unternehme nichts gegen die Fahrgastdiebe, zurück. "Wenn uns Beweise vorliegen, ziehen wir die Gauner zur Rechenschaft", sagt Sprecher Enno Isermann. Übrigens ist einer der Fahrer, die der MOPO ins Netz gegangen sind, bei der BSU schon einschlägig bekannt. Er muss mit einer empfindlichen Strafe rechnen: Bis zu 10000 Euro und der Entzug der Konzession drohen ihm.