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MISTER X ENTHÜLLT

Der Schmu mit den alten Klamotten

Hose und Jacke passen nicht mehr, sind aber noch gut in Schuss? Warum dann nicht ein gutes Werk tun und sie Bedürftigen spenden? Das denken viele Bürger und deshalb kommen bei Altkleidersammlungen in Deutschland jährlich 600000 Tonnen ausrangierte Textilien zusammen. Was die meisten Spender nicht ahnen: In dieser lukrativen Branche sind Gauner unterwegs, die nur vorgeben, gemeinnützig zu sein. Mit ihren Profiten kaufen sie Luxusautos und Villen. Mister X begab sich auf die Spur der Gebraucht-Kleider-Mafia.



Seit Monaten klebt ein Zettel an Haustüren überall in Hamburg: Der gemeinnützige Verein Umwelt- und Katastrophenhilfe e.V. "Kinder sollen leben!" bittet um Altkleider und Schuhe. "Säcke gut sichtbar an die Straße stellen!", so heißt es da. "Die Abholung erfolgt am Dienstag." Säckeweise alte Kleider dürfte der Verein bereits gesammelt haben.



Es sind MOPO-Leser, die als Erste den Verdacht hegen, dass hier etwas nicht stimmt. Sie hatten die Telefonnummern auf den Zetteln vermerkt und angerufen, weil sie sich erkundigen wollten, was genau dieser Verein macht. Was ihr Misstrauen auslöste: Die Nummern existieren überhaupt nicht! Nicht einmal ein Besetztzeichen ertönte. Nichts!



Auf der Suche nach den Drahtziehern verfolgt Mister X zunächst eine Spur nach Jersbek bei Ahrensburg. Dort lebt Professor Michael Michahelles. Der 68-jährige Stormaner CDU-Kreistagsabgeordnete ist Vorsitzender jener Umwelt- und Katastrophenhilfe "Kinder sollen leben!" Als Michahelles davon erfährt, dass Hamburg zugeklebt ist mit Zetteln, die das Logo seines Vereins tragen, verdreht er die Augen: "Nicht schon wieder!" Michahelles erzählt, dass das seit fast zehn Jahren so gehe. Laufend werde er angerufen und gefragt, ob er dahinterstecke. Unzählige Anzeigen habe er schon erstattet. Der Schriftverkehr zu den falschen Sammlungen füllt Aktenordner. "Aber es hört nicht auf."



Michahelles berichtet, dass sein Verein früher tatsächlich Kleidersammlungen durchgeführt habe. Dafür bediente er sich gewerblicher Partner. Doch es gab Ärger. "Die meisten der Sammelfirmen haben uns übers Ohr gehauen, behielten einfach alles für sich." Michahelles kündigte die Verträge - doch das Sammeln im Namen des Vereins ging weiter.



Einer, der da mitmischt, scheint Michael B. (Name geändert) zu sein. Er lebt in Bremerhaven und betreibt dort einen Second-Hand-Laden. Auf dessen Grundstück entdeckt Mister X einen stationären Altkleider-Sammelbehälter, auf dem groß das Logo des Vereins prangt.



Mister X erwischt Michael B., als er mit seinem silbernen Mercedes SLK vor seinem Laden vorfährt. Ob er in seinem Geschäft Kleidung verhökert, die eigentlich für Bedürftige gedacht waren? Das bestreitet Michael B. energisch. Er behauptet auch, er wisse nicht, wem der Sammelbehälter gehört. Später gibt er zu, dass es "früher mal" seiner gewesen sei. Er habe ihn verkauft. An wen? "An meinen Schwiegersohn."



Michael B. tischt Mister X noch mehr offensichtliche Lügen auf. So behauptet er, dass er bis heute einen gültigen Vertrag mit dem Verein habe und für ihn Altkleider sammeln dürfe. Vereinsvorsitzender Michahelles will jetzt juristisch gegen den Mann vorgehen. "Geschäftemacherei auf Kosten Bedürftiger - das ist das Letzte."



Doch es geht um viel zu viel Geld, als dass die Gauner von ihrem Treiben ablassen würden. Notfalls wird der eine gemeinnützig klingende Name gegen einen anderen ausgetauscht. Derzeit kleben an zahllosen Haustüren Zettel einer Altkleider-Firma, die sich "Sammlung arme Menschen sollen leben" nennt. Auch diesmal ist eine Telefonnummer angegeben. Und auch diesmal ist darunter niemand erreichbar.

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Datum:  14.9.2006
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Julia Sextl

Relativ häufig muss ich kurzfristig ein Taxi bestellen, um noch pünktlich zu einem Termin zu kommen. Meistens stehe ich schon auf der Straße, wenn der Wagen